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Thurgauer Strassenbauwahn

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Wenn es um den Bau von Schnell­stras­sen geht kann es den bürgerlichen Po­li­ti­kern im Thur­gau nicht teuer genug sein. Über 1000 Mil­lio­nen Fran­ken wol­len sie dafür aus­ge­ben. In an­de­ren Be­rei­chen wird jeder Rap­pen hin­ter­fragt und zwei­mal um­ge­dreht, die Neu­auf­lage der  abgelehnten T14  und Südumfahrung, heute ge­nannt BTS und OLS, wird ein­fach durch­ge­winkt. Ob­wohl vor 7 Jah­ren vom Volk  abgelehnt, bringt man das­selbe Kon­zept noch ein­mal, mit dem klei­nen Un­ter­schied, dass der am Tras­see woh­nen­den Bevölkerung di­verse kos­ten­stei­gernde Ver­spre­chun­gen ge­macht wer­den wie etwa Un­ter­tun­ne­lun­gen​ oder Ver­tie­fun­gen. Be­zah­len soll die BTS der Bund. Ob die­ser dann, falls überhaupt, diese teure Lu­xuss­trasse so baut, steht aber in den Ster­nen.

Geradezu peinlich wird es, wenn man tiefer in die Faktenlage der Notwendigkeit dieser Strassen geht: Obwohl sogar der kantonale Richtplan diese Strassen als unnötig erachtet, hält die Regierung und die Mehrheit des Kantonsrates unbeirrt an den angeblich grossen Verkehrsentlastungen und der besseren Anbindung des Oberthurgaus fest. Letzteres wurde von der dort ansässigen Wirtschaft selber entkräftet,  welche die Verkehrsanbindung in einer Umfrage als unwichtig im 17. Rang klassierte.

Für die Verkehrszahlen genügt eine kurze Analyse der Verkehrsdaten des Kantons, um festzustellen, dass das Verkehrsaufkommen im Mittel- und Oberthurgau vergleichsweise klein ist und zur Hauptsache Ziel-/Quellverkehr darstellt, welcher eine Hochleistungsstrasse gar nie benützen wird. Dafür spricht auch die Tatsache, dass für die bestehenden Strassen keine Umbaupläne zur Kapazitätsreduzierung​ nach Eröffnung der Hochleistungsstrassen​ bestehen. Offenbar geht der Kanton selber davon aus, dass die Entlastung gering sein wird.

Was bringen uns Thurgauer also diese über 1000 Millionen teuren Strassen? Ich sehe nur Nachteile: Der Lastwagentransitverke​hr wird zunehmen, die Zersiedelung auch, denn entlang dieser neuen Strassen durch unsere grünen Felder werden neue Industrie-, Gewerbe- und Wohnzonen entstehen. Damit wird neuer Mehrverkehr erzeugt und das ‘Rösslispiel’ mit Forderungen nach neuen Strassen geht von vorne los. Die Variante ‘Umbau’ der Umweltverbände zeigt auf, wie es richtig gehen kann: Bedarfsgerechter, modularer Um- und Ausbau der bestehenden Strassen. Doch davon wollen unsere Regierung und die meisten Parteien nichts wissen. Sie scheinen in der Strassenbauideologie des letzten Jahrhunderts und im kurzfristigen Wachstumsdenken gefangen.

Somit liegt es am Volk, hier erneut zu entscheiden. Ich bleibe bei meinem NEIN.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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(1 Stimme)
Beat Stuber sagte February 2014

Herr Schmid

Seltsam, was Sie hier geschrieben haben, wenn man bedenkt, was Sie heute betreffs MEI von sich geben. Oder ist der Sinneswandel nur der Tatsache zuzuschreiben, dass die MEI von der DVP kommt?


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17%
(6 Stimmen)
Christian Schmid sagte May 2012

Wir Grüne gehen den Dingen auf den Grund und fragen nach den Ursachen des Verkehrsaufkommens. Die Zuwanderung ist sicher ein wichtiger Aspekt dabei. Heute wie vor der Personenfreizügigkeit​ hat unsere Wirtschaft diese als Arbeitskräfte ins Land geholt. Wir hinterfragen darum konsequenterweise das einseitige auf Menge ausgerichtete Wachstumsdenken. Wir brauchen nicht immer mehr sondern bessere Produkte und Dienstleistungen.
Anders als Sie behaupten, boomte der Strassenbau in den vergangenen 20 Jahren, ich nenne nur einige grössere Autobahnprojekte, die fertiggestellt wurden: A4 Knonaueramt, A5 Solothurn-Biel, A7 Kreuzlingen, Nord- und Westumfahrung Zürich, Umfahrung Basel, und und und... Wurden die Verkehrsprobleme gelöst? Nein, es gibt weiterhin Staus, teilweise wieder an den gleichen Orten.
Die geplante BTS im Thurgau ist das neueste Beispiel dieser verfehlten Verkehrspolitik: Durch eine direkte Verbindung Richtung Zürich würde der Pendlerweg für Autofahrer attraktiver werden (=mehr Verkehr). Noch mehr Pendler ziehen in den Oberthurgau und kreieren Mehrverkehr auch in den Dörfern. Wollen Sie das?
Ich und alle Mitglieder der Grünen, die ich kenn,e sind keine Autohasser. Wir brauchen es selber auch, aber eben nur wo nötig. Leider tun das viele aus Bequemlichkeit nicht und verstopfen so mit unnützen Fahrten die bestehenden Strassen. Man wird den Grünen einmal dankbar sein für Ihr Engagement, spätestens dann, wenn sich der Normalbürger die Benzinpreise wegen Rohstoffknappheit nicht mehr leisten kann.


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63%
(8 Stimmen)
Willy Brauen sagte May 2012

Herr Schmid
Das ist typisch "grüne Politik"! Ob sinvoll oder nicht will ich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass grüne und linke Kreise für die desolate Verkehrslage mindestens mitverantwortlich sind, weil sie seit Jahrzehnten gegen jegliche Verbesserungen im Bereich Strassenverbindungen/​Ausbau sind, aber auf der anderen Seite nicht Hand bieten, die Masseneinwanderung (99% sind Autofahrer) zu begrenzen. Der Verkehr hat sich in den letzte 20 Jahren mehr als verdoppelt, wärend die Strassen kaum angepasst wurden, bzw vernachlässigt wurde. Mit vielen Massnahmen wurde der Strassenverkehr behindert (in der Amtssprache heisst das: "Verkehrsberuhigung​") statt "verflüssigt" wurde. Es wäre gut, wenn sich "Verkehrsmuffel" vom APPCO2-Syndrom* befreien würden. Miteinander, statt Gegeneinander, sollten die besten Lössungen für die meisten Bürger dieses Landes gesucht und gefunden werden! Auch das könnte intelligente, grüne Politik sein!
* Auto-Parplatz und CO2-Hasser


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