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Bildung, Forschung
Forschung in der Schweiz.

2013 lag die Quote der Jugendlichen, die die Matura machten, bei ca. einem Drittel (34%), im gleichen Jahr haben 11771 Personen einen Hochschulabschluss auf Masterstufe erworben. 52% aller in der Forschung tätigen Personen in der Schweiz verfügen über einen solchen Abschluss. Die Forschung hat einen sehr hohen Stellenwert für die Schweiz: Als kleines Land mit wenig natürlichen Ressourcen hat sie gemäss Studien (u.a. economiesuisse) ihren Wohlstand vor allem Ideen und Innovationen in verschiedenen Branchen zu verdanken.

Um mit Forschenden in anderen Ländern mitzuhalten und von ausländischem Wissen zu profitieren, nimmt die Schweiz an verschiedenen internationalen Forschungsprojekten und Studentenaustauschprogrammen teil. Nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar 2014 ist die Zukunft einiger dieser Projekte (Erasmus, Euratom) unklar, da diese Teil der Bilateralen Verträge I sind.

Diese Konzentration auf Bildung und Forschung in der Schweiz ist nicht ohne Folgen: Unser Land belegt im „Global Competitiveness Report“ des World Economic Forum (WEF) zum sechsten Mal in Folge den Platz als „wettbewerbsfähigstes Land“ aller WEF-Mitglieder.

Forschung in der Schweiz und im internationalen Vergleich

In der Schweiz teilen sich die Privatwirtschaft und der Staat die Zuständigkeit für Bildung und Forschung. Der Staat ist vor allem für die Grundlagenforschung (siehe Box „Einfach erklärt“) verantwortlich. Dies geschieht mehrheitlich an den zwei eidgenössischen technischen Hochschulen (ETH in Zürich und EPFL in

Lausanne). Die Universitäten werden von den Kantonen geführt. Auch sie sind hauptsächlich in der Grundlagenforschung tätig. Die Privatwirtschaft hingegen betreibt in erster Linie angewandte Forschung, um das daraus gewonnene Wissen in marktfähige Produkte umzusetzen. Dabei wird die Privatwirtschaft von verschiedenen Fachhochschulen (FH) unterstützt.

Über 117’000 Personen sind in der Schweiz in der Forschung und Entwicklung (F&E) tätig, davon 44% in der Privatwirtschaft. Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind die Pharmaindustrie mit fast 20%, die Maschinenindustrie (16,5%) sowie die Informations- und Kommunikationstechnologienbranche (IKT) (13,5%) (siehe Abb. 1). Damit steht die Schweiz im internationalen Vergleich vor Schweden an dritter Stelle hinter Finnland und Dänemark.



Abb. 1: Arbeitsstellen prozentual in der Forschung und Entwicklung

Auch auf dem Gebiet der Robotik nimmt die Schweiz eine führende Stellung ein: Unter Rolf Pfeifer, einem Experten in künstlicher Intelligenz, wurde an der Universität Zürich und an der ETH über drei Jahrzehnte hinweg hochstehende Forschung betrieben, was viele Forscher aus aller Welt nach Zürich führte; das Programm wurde jedoch auf dieses Jahr hin eingestellt.

Internationale Forschungszusammenarbeit

In der EU wurde ein Forschungsabkommen abgeschlossen: das sogenannte „Forschungsrahmenpro- gramm“ (FRP). Das Ziel des FRP der EU mit dem Namen „Horizon 2020“ ist unter anderem die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs. Ein weiterer Teil davon ist „Erasmus": Als das grösste europäische Studentenaustauschprogramm ist es offen für Studierende aus der EU und den EFTA / EWR-Staaten und kommt mit dem einbezahlten Geld der Mitgliedsstaaten für die Studiengebühren (und evtl. weitere Gebühren) auf. Es gibt somit den Studenten aus (fast) allen Ländern Europas die Möglichkeit, ein Semester an einer ausländischen Universität mit tieferen Gebühren zu verbringen, als wenn sie die ausländischen Studiengebühren komplett selber zahlen müssten.

Die Schweiz ist seit 1992 an diesem FRP beteiligt und hat ihre Beteiligungsgelder kontinuierlich erhöht. Bis anhin hat sich die Teilnahme der Schweiz an den beiden Programmen gelohnt: Es sind mehr Gelder in Form von Projektförderungsmitteln in die Schweiz geflossen, als im Rahmen der vertraglich festgelegten Finanzierungsbeiträge in die EU abgeflossen sind.

Die Abstimmung vom 9. Februar 2014 über die Masseneinwanderungsinitiative hat unter anderem zur Aufgabe dieser Programme geführt – die Schweiz ist momentan zwar wieder als „assoziierter Staat“ anerkannt, Schweizer Forscher können aber nicht in allen Teilen des Horizon-Programms Gelder beantragen (siehe auch Abschnitt Ausblick).

Das Erasmus-Austauschprogramm ist zurzeit für Schweizer Studenten nicht mehr zugänglich, da sie als Studenten eines Drittstaates gelten. Der Bundesrat hat jedoch eine Übergangslösung zur Verfügung gestellt:

Die Gelder, die in das Erasmus-Programm eingezahlt worden wären, werden nun zur Finanzierung von Auslandsemestern für Schweizer verwendet. Der Bund springt auch bei der (Teil-)Finanzierung der ausländischen Studenten, die für den Austausch in die Schweiz kommen, ein. Diese Lösung deckt sich zwar nicht vollständig mit Erasmus (und seinem Nachfolger Erasmus+), bietet aber eine Alternative für die Studenten in den kommenden Jahren.

Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E)

Die totale Finanzierung von F&E durch den Bund betrug 2012 3.5 Milliarden Franken. Zwei Drittel dieser

Gelder flossen in den Hochschulsektor, weitere 20% ins Ausland oder in internationale Projekte, der Rest in die Privatwirtschaft und in Bundesstellen. Die Förderungsmittel des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI belaufen sich für den Zeitraum von 2013-2016 auf insgesamt 24 Milliarden Franken.

Innovationspolitik des Bundesrates

Ein Ziel im Bildungsbereich ist, genügend allgemein und auf den Beruf bezogen gebildete Personen mit einem durchlässigen Bildungsangebot aufzubringen. In der Forschung und Innovation soll die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz weiter gefördert und die bestehende Förderung mit strategisch geschickten Innovationen verdichtet werden. Ausserdem will man die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Schliesslich zielt die Bildungs- Forschungs- und Innovationspolitik (BFI) auf die Ausgestaltung der Schweiz als Denk- und Werkplatz und soll zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Chancengleichheit fördern.

Dazu trägt auch das Projekt „Science in Society“ des Schweizerischen Nationalfonds SNF zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bei: Es bietet wechselnde Ausstellungen für interessierte Bürger zu spezifischen Forschungsgebieten, um den Graben zwischen abstrakter Forschung und Nutzen für die Gesellschaft zu überbrücken.

Privatwirtschaftliche Investitionen in F&E

Mehr als zwei Drittel der Forschungstätigkeit wird durch die Privatwirtschaft finanziert. Die Kosten für die Forschung innerhalb des eigenen Betriebes betrugen im Jahr 2012 über 12 Milliarden Franken (siehe Abb. 2), was 2,2% des BIP der Schweiz entspricht. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz mit diesem Wert auf dem sechsten Platz, der EU- Schnitt beträgt 1.1% des BIP.



Abb. 2: Forschungsausgaben der Privatwirtschaft 2012 in Millionen Franken

Schweizer Unternehmen stecken immer mehr Gelder in Tochterunternehmen im Ausland – sie liegen mit 15.4 Milliarden Franken sogar deutlich über den inländischen Investitionen.

Auffallend ist die Kooperation zwischen Privatwirtschaft und Hochschulen, welche in letzter Zeit stark ausgebaut wurde. So hat unter anderem die Universität St. Gallen mehrere Lehrstühle, die von der Privatwirtschaft finanziert werden, unter anderem von den Firmen KPMG und E&Y. Als weiteres Beispiel hat die Universität Zürich mit der UBS einen Vertrag über ein „UBS International Center of Economics in Society“ abgeschlossen.

Weitere Projekte der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen des Staates und Entwicklungszentren der Privatwirtschaft sind unter anderem der Dorigny Campus, der Teile der Universität Lausanne sowie der École Politechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) und weitere Institute beherbergt. Ebenfalls in Genf befindet sich der „Campus Biotech“: Ernesto Bertarelli und Hansjörg Wyss gründeten das auf Biotechnologie und Bioengineering spezialisierte Zentrum im ehemaligen Hauptgebäude der Merck Serono AG.

Ausblick: Probleme und Chancen für die Schweizer Forschungslandschaft

Die Eröffnung neuer Laboratorien und Forschungszentren wie der Schweizer Freie-Elektronen-Röntgenlaser (Swiss FEL) im Paul-Scherrer-Institut im Kanton Aargau sowie die konstante Förderung des CERN in Genf und der ETH / EPFL tragen dazu bei, die Schweiz als Forschungsstandort zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Zentren wie der Dorigny-Campus beherbergen nicht nur Forscher, sondern auch Restaurants und Warenhäuser, Hotels und Buchläden.

Kritiker der zahlenmässigen Vorgaben für Forschungsförderung, wie Prozent-Anteile des BIP, verlangen weitere Rahmenbedingungen wie transparentere Einrichtungen, stärkere Förderung der Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Forschung, Verbesserung der Infrastruktur u.Ä. Zudem bezweifeln die Kritiker, dass Geld alleine Erfolg verspreche.

Ein unklarer Punkt der Schweizer Bildungspolitik ist die Zukunft der Zusammenarbeit mit der EU: Die Schweiz wurde nach der Abstimmung vom 9. Februar über das Personenfreizügigkeitsabkommen nun per 15. September 2014 wieder als „assoziierter Staat“ angenommen; die so mögliche Finanzierung von Forschungsprojekten durch die EU mit ihrem „Horizon 2020“-Programm ist aber auf einen von drei inhaltlichen Bereichen („Pfeiler“) limitiert (Aus- schreibungen des European Research Council), in den anderen zwei („Industrial Leadership“ und „Societal Challenges“) werden Schweizer Forscher als Drittstaatspersonen behandelt. Das schliesst sie nicht von der Forschung aus, heisst aber, dass die EU ihnen in diesen Bereichen keine Gelder zur Verfügung stellt. Die oben erwähnte Übergangslösung des Bundesrats wird sicher bis 2016 weitergeführt. Für die Zukunft wird jedoch eine Einigung mit der EU angestrebt, so dass die Schweiz wieder als voll assoziierter Staat in allen Programmen vertreten ist. Die Europäische Kommission hat diesen Schritt aber mit der Unterzeichnung des Abkommens zur Erweiterung des Freizügigkeitsabkommens auf Kroatien verknüpft. Die Schweiz ist jedoch momentan nicht bereit, das Abkommen in der bestehenden Form zu unterzeichnen.

Engere Einbeziehung der Privatwirtschaft in die Forschungsfinanzierung wie z.B. an der UZH oder der HSG entlasten zwar das Staatsbudget, führen aber Kritikern zufolge unter anderem zu einer zu starken Marktorientierung: So haben sich nach der Bekanntgabe der UBS-UZH- Kooperation einige Professoren und bekannte Persönlichkeiten im sogenannten „Zürcher Appell“ zur Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit verpflichtet. Zur selben Zeit ergaben Recherchen einer Schweizer Zeitung, dass die EPFL Nestlé weitreichende Mitbestimmungsrechte bei der Besetzung der Lehrstühle, die von Nestlé finanziert werden, gewährt hat. Die betroffenen Institutionen in Lausanne und Zürich haben reagiert, indem sie die Verträge offenlegten, um mehr Transparenz zu schaffen.


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Zusammenfassung

Die Schweiz als klei­nes Land mit wenig natür­li­chen Ressourcen ist auf For­schung und In­no­va­tion an­ge­wie­sen. Der Bund teilt sich die For­schungs­aus­ga­ben mit den Kan­to­nen und der Pri­vat­wirt­schaft, wobei der Staat auf die Grundlagenforschung kon­zen­triert, während die Pri­vat­wirt­schaft in ers­ter Linie die an­ge­wandte For­schung und Ent­wick­lung fördert.

Die Schweiz hat seit 1992 meh­rere For­schungs­rah­men­pro­gramme mit der EU ab­ge­schlos­sen, die For­schende und Stu­die­rende fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen. Diese Ab­kom­men wur­den nach der Ab­stim­mung vom 9. Fe­bruar 2014 sus­pen­diert, der Bun­des­rat hat bis auf wei­te­res eine Ü­ber­gangs­lö­sung zur Ver­fü­gung gestellt.

Als in­ter­na­tio­na­ler In­no­va­ti­ons­platz konnte sich die Schweiz vor allem in der Phar­ma­in­dus­trie und in der Ro­bo­tik einen Namen machen.

Viele Schwei­zer For­schungs­zen­tren pro­fi­tie­ren von Part­ner­schaf­ten mit Pri­vat­fir­men, was ihnen mehr Mit­tel zur Ver­fü­gung stellt. Diese Zu­sam­men­ar­beit wirft je­doch die Frage nach der Un­ab­hän­gig­keit der For­schung auf.

Einfach erklärt

Grundlagenforschung

In der Grundlagenforschung geht es um die Er­for­schung von kom­plett neuen Tech­no­lo­gien (z.B. Nano- oder Gen­tech­no­lo­gie), je­doch nicht um die Ent­wick­lung ein­zel­ner, neu­ar­ti­ger Pro­dukte – dies ge­schieht im Be­reich der an­ge­wand­ten For­schung. Das in der Grundlagenforschung er­zielte Wis­sen ist all­ge­mein zugäng­lich, d.h. kann von allen als Aus­gangs­punkt für wei­tere For­schung und die Ent­wick­lung von Pro­duk­ten ver­wen­det werden.

Der Bund be­treibt und un­ter­stützt die Grundlagenforschung in prak­tisch allen Wissensdisziplinen.

Woher kommt eine Innovation?

Innovationen kön­nen durch zwei Rich­tun­gen aus­gelöst werden:

Von „­de­mand pull“ spricht man, wenn Kun­den un­be­frie­digte Be­dürf­nisse ha­ben, und Un­ter­neh­men dafür ein neues Pro­dukt ent­wi­ckeln. So wurde die Ener­gie­spar­lampe auf­grund eines ge­stei­ger­ten Ener­gie­be­wusst­seins auf Seite der Kon­su­men­ten entwickelt.

Ein „­tech­no­logy pu­sh“ hin­ge­gen liegt vor, wenn ein neues Pro­dukt ent­wi­ckelt wird, weil die un­ter­neh­mensin­terne For­schung neue Tech­no­lo­gien ent­wi­ckelt hat, für die man ein neues Pro­dukt sucht, in die man sie ein­set­zen kann. Die Ent­wick­lung der Maus für den PC ist ein Bei­spiel für eine „­tech­no­logy pu­sh“ ge­trie­bene In­no­va­ti­on. Als die Schwei­zer Firma Lo­gi­tech die erste Maus auf dem Markt brach­te, wollte diese nie­mand. Lo­gi­tech ging daran bei­nahe Kon­kurs. Das Be­dürf­nis für die­ses neue Pro­dukt musste erst entstehen.

Profi-Wissen

Forschungszusammenarbeit

Viele KMUs kön­nen sich ei­gene For­schung für Pro­dukt­ver­bes­se­run­gen und -In­no­va­tio­nen nicht leis­ten und ar­bei­ten daher eng mit den Hoch­schu­len zu­sam­men. Durch die Grün­dung der För­der­agen­tur für In­no­va­tion (KTI) konnte die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Hoch­schu­len und Wirt­schaft wei­ter ver­bes­sert wer­den. Des­halb gehört die Schweiz, was den Trans­fer und die An­wen­dung von in den Hoch­schu­len ge­ne­rier­tem prak­ti­schem Wis­sen in die Un­ter­neh­mun­gen be­trifft, zu den in­no­va­tivs­ten eu­ropäi­schen Län­dern. Im­mer­hin ein Fünf­tel der ins­ge­samt 54.8% in­no­va­tiv täti­gen Un­ter­neh­men ko­ope­rie­ren mit an­dern Un­ter­neh­mun­gen oder Hoch­schu­len. Die­ser An­teil soll im Rah­men der links er­wähn­ten Re­form­schritte wei­ter er­höht werden.

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