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Wirtschaftslage 2007

Die Wirtschaftslage hat einen grossen Einfluss auf die Gesamtwohlfahrt eines Landes. Läuft die Wirtschaft gut, verdienen die Unternehmen mehr, die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt, der Staat hat grössere Einnahmen usw. Viele Lebensbereiche werden positiv beeinflusst, aber durch Überbeschäftigung und -auslastung treten auch Stress, Produktionsengpässe, etc häufiger auf. Dieser Text informiert über die aktuelle Wirtschaftslage. Im ersten Teil wird das Wachstum im Jahr 2006 betrachtet und anschliessend diskutiert, ob dieses Wachstum langfristig zu hoch oder zu tief liegt. Im zweiten Teil wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt dargelegt und im letzten Teil die Bedeutung und Lage der Zinsen sowie ihre Beziehung zur Preisentwicklung erläutert.

Wachstum 2006

Gemäss ersten Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im Jahr 2006 real (d.h. inflationsbereinigt) um 2.7% gewachsen. Zum Vergleich: über die letzen 10 Jahre (1995-2005) waren es im Durchschnitt nur 1.55%.

Am stärksten gewachsen sind dabei die Nettoexporte (Exporte minus Importe). Sie sind 2006 um 10.2% gewachsen, haben aber mit 6.5% des BIP einen relativ kleinen Einfluss auf das gesamte BIP. Auch stark zugenommen haben die Bruttoinvestitionen (+4.3%), welche 23.0% des BIP ausmachen. Den Hauptanteil des Bruttoinlandprodukts macht mit 59.7% jedoch der private Konsum aus. Dieser ist mit 1.9% weniger stark gewachsen als das gesamte BIP. Schliesslich sind die Staatsausgaben um 0.5% gesunken, diese machen 10.8% des BIP aus.

Entscheidend für eine einzelne Person ist aber nicht, wie stark das gesamte BIP gewachsen ist, sondern wie sehr das BIP pro Kopf angestiegen ist. Denn dieses sagt aus, wie viel Einkommen jeder Person durchschnittlich mehr zur Verfügung steht. Da die Schweizer Bevölkerung 2006 weiter gewachsen ist, liegt das reale Wachstum des BIP pro Kopf dementsprechend mit 2.1% im Jahr 2006 tiefer als das Wachstum des gesamten BIP. Abbildung 1 zeigt, wie stark das reale BIP pro Kopf seit 1991 jährlich gewachsen ist. Pro Kopf betrug es 2006 nominal 63'216 Fr. und ist real um rund 8% höher als 1990.




Wie viel Wachstum braucht die Schweiz?

Es gibt keine generell gültige Regel, wie viel Wachstum die Schweiz braucht. Dies hängt stark von der Werthaltung der einzelnen Person ab. Es kann durchaus sein, dass sich eine Person ein negatives Wachstum wünscht, um die Umwelt zu schonen. In den Medien werden die zwei folgenden Kriterien am meisten für ein genügendes Wachstum genannt:

  • Die Schweiz soll langfristig nicht ärmer als die Nachbarländer sein. Das bedeutet, das Wachstum der Schweiz muss mindestens so gross sein wie das der Nachbarländer.
  • Das Wachstum soll so gross sein, dass trotz alternder Gesellschaft der heutige Sozialstaat und der heutige Lebensstandard aufrechterhalten werden kann. Dafür ist gemäss Experten ein Wachstum von 2.5-3% notwendig.

Für die Beurteilung des Wachstums ist es nun wesentlich, zwischen den kurzfristigen nachfrageseitigen Schwankungen des Wachstums (Konjunktur) und dem langfristigen möglichen Wachstum (= Potenzialwachstum oder Wachstum des Potenzialoutputs) zu unterscheiden.

Der Potenzialoutput ist die Menge an Gütern, welche die Schweiz bei normaler Auslastung der Produktionsfaktoren in einem Jahr produzieren kann. Der Potenzialoutput hängt von folgenden Variablen ab: Verfügbares Kapital, Anzahl Arbeitskräfte, Anzahl Arbeitsstunden pro Arbeitskraft und der Produktivität des Kapitals und der Arbeitskräfte. Die Produktivität der Arbeitskräfte wiederum hängt von der Ausbildung der Arbeitskräfte, dem technologischen Wissen und der Effizienz, mit welcher Kapital, Arbeit, Know-how etc. eingesetzt werden, ab. Je schneller diese einzelnen Faktoren wachsen, desto grösser ist das Potenzialwachstum der Schweiz.

Das Potenzialwachstum der Schweiz liegt derzeit gemäss einer Schätzung der Credit Suisse bei 1.66%. Das sind bei einem Bevölkerungswachstum von derzeit 0.5% ca. 1.16% pro Kopf. Andere Schätzungen liegen in derselben Grössenordnung. Das langfristige Wachstum liegt also klar unter den 2.5%-3% pro Jahr, welche Experten fordern, um den Sozialstaat ohne Abstriche und ohne weitere Verschuldung zu erhalten. Die Schätzung für das benötigte Wachstum ist jedoch umstritten. Einfacher zu überprüfen ist, ob die Schweiz zumindest gleich schnell wie die EU oder die USA wächst.

Das reale BIP pro Kopf ist in den USA von 1991 bis 2005 durchschnittlich um 1.8% gewachsen. In der [[EU-15|485]] (s. Kasten) um 1.6%. Die Schweiz verzeichnete in derselben Zeit ein Wachstum von 0.4%. Das vergangene Wachstum und auch das geschätzte zukünftige Potenzialwachstum der Schweiz liegen also unter demjenigen der USA und der EU. Diese scheinbar kleinen Unterschiede in den Wachstumsraten haben wegen dem Zinseszinseffekt grosse Auswirkungen. Geht man davon aus, dass obige Wachstumsraten der EU und USA konstant bleiben und die Schweiz ihr Potenzialwachstum von 1.16% erreicht, so wird das reale BIP pro Kopf der Schweiz bis ins Jahr 2027 um 25.9% gewachsen sein, dasjenige der [[EU-15|485]] aber um 37.4% und dasjenige der USA um 42.9%. Das heisst, das BIP würde in 20 Jahren in den USA um 17% stärker zugenommen haben als in der Schweiz.

Es ist also festzuhalten, dass die Höhe des benötigten Wachstums eine Frage der Werthaltung der einzelnen Person ist. Möchte diese Person jedoch, dass der Lebensstandard der Schweiz verhältnismässig zu den wichtigsten Handelspartner konstant bleibt, so liegt das heute erwartete zukünftige Wachstum der Schweiz weiterhin zu tief und es wären weitere politische Massnahmen notwendig, um das Wachstum zu erhöhen.

Arbeitsmarktsituation

Der Arbeitsmarkt ist für jedermann von Bedeutung. Wenn viele neue Stellen geschaffen werden und die Arbeitslosigkeit gering ist, finden erstens die Arbeitslosen schneller eine neue Stelle und die Gesellschaft trägt tiefere Kosten für Arbeitslosenunterstützung.




Die Arbeitslosenquote ist im Jahr 2006 weiterhin deutlich zurückgegangen. Anfangs 2006 betrug die Arbeitslosenquote gemäss SECO noch 3.9% und ist auf Ende 2006 um 0.6 Prozentpunkte auf 3.3% gesunken. 2006 betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote 3.3%. Bis April 2007 ist die Arbeitslosigkeit weiter auf nun 2.9% gesunken. Die Arbeitslosenquote hat daher seit Anfangs 2005 einen sinkenden Trend, was in Abbildung 2 zu erkennen ist.

Die Kantone Genf, Tessin, Waadt und Neuenburg haben mit durchschnittlichen Arbeitslosenquoten von über 4% immer noch die höchste Arbeitslosigkeit. Zudem haben Frauen eine leicht höhere Arbeitslosenquote als die Männer. Ausländer (dabei sind nur solche Ausländer gezählt, welche in der Schweiz auch arbeiten dürfen) haben mit 6.1% eine höhere Arbeitslosenquote als Schweizer (2.9%). Bei den Altersgruppen wird deutlich, dass die Jugendlichen (15-24 Jahre) die höchste Arbeitslosenquote zu verzeichnen haben (4.3%), während die Quote bei 25-49 Jährigen (3.3%) und bei 49-55 Jährigen (2.9%) deutlich tiefer liegt.

Aufgrund des anhaltend positiven Konjunkturverlaufs rechnen das SECO und die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) für die Jahre 2007 und 2008 weiterhin mit sinkenden Arbeitslosenquoten. Das SECO schätzt eine jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 2.8% für das Jahr 2007 und von 2.6% im Jahr 2008. Die KOF schätzt die Arbeitslosenquote in beiden Jahren, 2007 und 2008, auf 2.8%.

Zinsen

Die Höhe des Zinses ist deshalb eine wichtige Grösse, weil ein hoher Zinssatz das Wirtschaftswachstum abbremsen kann. Dies hat verschiedene Gründe: Erstens führt ein hoher Zinssatz generell dazu, dass mehr ausländische Investoren ihr Geld in der Schweiz zu den höheren Zinsen anlegen möchten. Die Nachfrage nach Schweizer Franken steigt also. Durch die erhöhte Nachfrage wird der Schweizer Franken teurer. Dies bedeutet, dass Schweizer Produkte für Ausländer teurer und ausländische Produkte für Schweizer günstiger werden und daher weniger exportiert bzw. mehr importiert wird. Da die Exporte zum BIP addiert und die Importe davon abgezogen werden, sinkt das BIP bzw. das Wachstum wird gebremst. Zudem verteuert ein hoher Zinssatz die Finanzierungskosten (Kredite, etc.) für Investitionen. Dies führt dazu, dass weniger investiert wird. Da die Bruttoinvestitionen einen Bestandteil des BIP sind, sinkt dadurch auch das BIP.

Festgelegt wird der Zinssatz von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) innerhalb eines Zielbandes. Der Zinssatz ist das wichtigste Mittel der SNB, um die Geldmenge und damit die Inflation (Teuerung) in der Schweiz zu kontrollieren. Je tiefer der festgelegte Zinssatz ist, desto mehr Geld werden die Banken bei der SNB ausleihen, wodurch die Geldmenge steigt. Bei einem höheren Zinssatz zahlen die Banken Geld an die SNB zurück und die Geldmenge sinkt.

Die SNB hat das Ziel, die Schweizer Wirtschaft mit ausreichend Geld zu versorgen und dabei die Inflation (Teuerung) unter 2% zu halten. Versorgt die SNB die Wirtschaft mit zu wenig Geld (zu hoher Zinssatz), so bremst sie das Wirtschaftswachstum. Versorgt sie die Wirtschaft mit zu viel Geld (zu tiefer Zinssatz), führt dies dazu, dass zwar mehr Geld im Umlauf ist, damit aber nicht mehr Produkte gekauft werden können. Denn wenn die Geldmenge schneller wächst als das Angebot, steigen die Preise der Güter, d.h. es gibt Inflation. Auch dies ist langfristig für das Wirtschaftswachstum schädlich.

Da zurzeit das Wirtschaftswachstum über dem Potenzialwachstum liegt, besteht ein erhöhtes Inflationsrisiko. Die SNB verkleinert daher die Geldmenge, indem sie das Zinszielband erhöht. Damit wird die Wirtschaft etwas gebremst und das Inflationsrisiko gesenkt.

Aktuell rechnet die SNB unter der Annahme eines gleich bleibenden Zinssatzes von 2.25% mit einer Teuerung von 0.5% im Jahr 2007 und 1.4% im Jahr 2008. Die KOF geht davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank die Zinsen während des Jahres 2007 um 25 Basispunkten (0.25%) anhebt und das Zinsziel somit 2.5% betragen würde.


Literaturverzeichnis [ ein-/ausblenden ]


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Einfach erklärt

Was ist das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP)?

Das BIP ist der Wert aller Güter

und Dienst­leis­tun­gen, die wäh­rend eines be­stimm­ten Zeit­raums (nor­ma­ler­weise über 1 Jahr ge­rech­net) in einem Land pro­du­ziert werden.

Beispiel aus dem Alltag:

Ein Bauer ver­kauft einem Bä­cker Zuta­ten für 60 Fr. Mit der Hälfte die­ser Zuta­ten bäckt der Bä­cker Bro­te, die er für total 50 Fr. verkauft.

Für das Bruttoinlandprodukt rech­net man nun den Um­satz aller in der Wirt­schaft ge­han­del­ten Güter zusammen:

60 Fr.(Zutaten)
+50 Fr.(Brote)
=110 Fr.Total

In den 50 Fr. für die Brote sind die 30 Fr. (60 Fr. / 2) für die Zuta­ten ja be­reits ent­hal­ten. Sie wer­den damit dop­pelt ge­zählt. Daher zieht man sie am Schluss wie­der ab. Die Zuta­ten sind in dem Fall Vor­leis­tun­gen des Brots. Das Bruttoinlandprodukt be­trägt also:

110 Fr.(Zutaten)
-30 Fr.(Zutaten im Brot
= Vorleistungen)
80 Fr.BIP

Das Brut­ton­land­pro­dukt BIP ist nicht nur gleich der Menge aller produzierten Gü­ter, son­dern immer auch gleich der Menge aller konsumierter Gü­ter. Denn nur was vor­her pro­du­ziert wurde kann nach­her auch kon­su­miert werden.

Einfach erklärt

Inflation

Als Inflation be­zeich­net man einen an­dau­ern­den Pro­zess der Gel­dent­wer­tung. Diese macht sich durch all­ge­meine Preis­er­hö­hun­gen be­merk­bar. Mit einer Geld­ein­heit (z.B. einem Fran­ken) kann dann we­ni­ger ge­kauft wer­den als zu­vor. Die Kaufkraft des Gel­des wird also immer klei­ner.

Eine aus­führ­li­che Er­klä­rung zur Inflation fin­den Sie auf un­se­rer Web­seite im Lexikon.

Unterschied rea­les und no­mi­na­les BIP

Beim no­mi­na­len BIP wird die Wertschöpfung an­hand lau­fen­den, ge­gen­wär­ti­gen Prei­sen be­rech­net. Beim rea­len BIP be­rech­net man hin­ge­gen die Wertschöpfung zu kon­stan­ten Prei­sen. Das reale BIP ist also inflationsbereinigt. Das reale BIP ist für die meis­ten An­wen­dun­gen aus­sa­ge­kräf­ti­ger, da man nor­ma­ler­weise wis­sen möch­te, wie stark die Wertschöpfung ge­stie­gen ist und nicht, um wie­viel die Preise ge­stie­gen sind.

EU-15-Mitgliedstaaten

Mitgliedstaaten ab der 4. Er­wei­te­rung 1995. Für diese Län­der lie­gen dement­sprech-end ver­gleich­bare Daten zur Verfügung.

  • Belgien
  • Deutschland
  • Frankreich
  • Italien
  • Luxemburg
  • Niederlande
  • Dänemark
  • Irland
  • Grossbritanien
  • Griechenland
  • Portugal
  • Spanien
  • Österreich
  • Schweden
  • Finnland
Einfach erklärt

Erwerbspersonen

In der Schweiz wer­den als Er­werbs­per­so­nen die­je­ni­gen er­fasst, wel­che in der Schweiz wohn­haft sind und in der Schweiz ar­bei­ten, plus die­je­ni­gen, wel­che im Aus­land woh­nen und in der Schweiz ar­bei­ten sowie die Erwerbslosen.

(Quelle: BFS)

Registrierte Arbeitslose

Die re­gis­trier­ten Ar­beits­lo­sen sind die­je­ni­gen Per­so­nen, wel­che bei einem re­gio­na­len Ar­beits­ver­mitt­lungs­amt ge­mel­det sind, keine Stelle haben und so­fort ver­mit­tel­bar sind, un­ab­hän­gig da­von, ob sie eine Ar­beits­lo­sen­ent­schä­di­gung be­zie­hen oder nicht.

(Quelle: BFS)

Arbeitslosenquote

Registrierte Arbeitslose
-------------------------------x 100
Erwerbspersonen

(Quel­le: BFS)

Zinsziel

Das Zins­ziel, wel­ches die SNB an­gibt, ist nicht gleich dem Zins­satz auf dem Spar­kon­to, son­dern ist ein spe­zi­el­ler Zins­satz, der 3-­Mo­na­te-­Li­bor-­Zins­satz. Dies ist der Zins­satz, den eine Bank be­zah­len muss, wenn sie von einer an­de­ren Bank Geld aus­lei­hen möchte.

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