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Abbau von Schulstunden statt Abbau der Bürokratie ?

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Unsere Lehr­per­so­nen beschäftigen sich je länger je mehr in Fach­grup­pen rund um die ständigen Schul­re­for­men. Dies mit dem Re­sul­tat, dass der An­teil un­pro­duk­ti­ver Ar­beits­zeit der Lehr­per­so­nen steigt und zu unnötiger Mehr­be­las­tung führt. Um dies zu kor­ri­gie­ren emp­fiehlt eine Fach­gruppe der Bil­dungs­di­rek­tion​, die Un­ter­richts­zei­ten​ um zwei Stun­den pro Woche zu kürzen. Dies mit der Fol­ge, dass das Kerngeschäft, die ei­gent­li­chen Be­ru­fung einer Lehr­per­son, wei­ter ab­nimmt. Es be­deu­tet auch, dass die Volks­schule ihren Auf­trag noch we­ni­ger wahr­nimmt. Nach­dem der Kan­ton die Ge­mein­den mit ul­ti­ma­ti­ven For­de­run­gen na­hezu genötigt hat, teure Ta­ges­s­truk­tu­ren zu schaf­fen, soll nun irr­sin­ni­ger­weise die Un­ter­richts­zeit re­du­ziert werden.

Die Bil­dungs­di­rek­tion​ muss zu­erst den Re­form­wahn sowie die Bürokratie stop­pen. auf Letz­te­re, weist das SP-geführte Bil­dungs­de­par­te­m​ent die Ver­ant­wor­tung von sich und schiebt den fau­len Apfel an die Kom­mu­nen wei­ter. Es liegt für mich je­doch glas­klar auf der Hand, dass kan­to­nal dik­tierte Un­klar­hei­ten und wi­der­sin­nige Ver­ord­nun­gen zur Überforderung in vie­len Schul­ge­mein­den führen. Klei­nes Bei­spiel gefällig ?

Die Bil­dungs­di­rek­tion​ er­kennt, dass ausländische Kin­der möglichst früh, be­reits im Kin­der­gar­ten, in Deutsch ge­schult wer­den müssen. Sie set­zen je­doch das kan­to­nale Salär einer Deutsch­leh­re­rin wel­che als Fach­per­son einen Kindergärtner un­ter­rich­tet tiefer an, als wenn sie es bei einem Pri­mar­schul­kind tut. Dass die Schu­len dank die­ser Ver­ord­nung zu wenig Deutsch­leh­re­rin­ne​n für den Kin­der­gar­ten fin­den ist lo­gisch, ebenso die Kon­se­quenz dar­aus, dass viele Pri­mar­schu­len rich­tig­ge­hend von Kin­dern mit schlech­ten Deutsch­kennt­nis­sen​ überschwemmt werden.

Allein die­ses Bei­spiel zeigt auf, dass die Ju­ris­ten und Dok­to­ren in der Di­rek­tion Aeppli im Wal­che­tor zu weit weg vom Ge­sche­hen sind. Ge­treu dem Sprich­wort „En Fisch fangt immer am Chopf a schtinke“ muss sich die Bil­dungs­di­rek­tion​ selbst­kri­tisch die Frage stel­len, ob nicht sie sel­ber die Ver­ant­wor­tung für die er­heb­li­chen Missstände zu tra­gen hat.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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57%
(7 Stimmen)
Rudolf Weiler sagte March 2011

Herr Schmid
Die Vorschläge Ihrer Partei zum Bildungswesen sind allesamt bildungs-
und realititätsfremd. Das Gejammer wegen Reformitis oder Bürokratie
können wir mal gerade streichen. Im Lehrberuf gibt es wie auch in
anderen Berufen Kollegen, die sich schwer tun mit Neuem, aber es gibt
die grosse Mehrheit, die damit klar kommt. Den grossen Reformschub
hatten wir unter der Aegide von RR Buschor, Frau Aepplis Vorgänger (CVP).
R. Aeppli hat in ihrer Amtszeit sehr pragmatische und gute Lösungen für
viele Probleme gefunden. Was eine Fachgruppe ausarbeitet, ist noch
längst nicht beschlossene Sache. In Ihrem Schlusssatz sprechen Sie von
erheblichen Missständen. Mit weniger Reformen oder Bürokratie kämen
auch Sie einer Realität nicht bei, die komplexer geworden ist als ein SVP-
Programm.


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25%
(4 Stimmen)
Stefan Schmid sagte March 2011

Werter Herr Weiler,

unabhängig von meiner Parteizugehörigkeit habe ich mir meine Meinung zum Reformwahn in unserer Volksschule gemacht.

Ich sehe als Aussenstehenden relativ tief in den Lehrerberuf und dessen Umfeld (auch Nebenbereiche wie Sonderpädagogik, DaZ, Schulleitung etc.) hinein. Es ist mir durchaus bewusst dass Komplexität und die Anforderung an die Volksschule enorm gestiegen ist.

Die hohe Burn-Out Quote bei den Schulleitern und die massive Fluktuation im Lehrerberuf sollte auch Ihnen zu denken geben. Viele Lehrer sind unzufrieden mit der Situation. Sie sind wohl offen für Neuerungen, haben aber verständlicherweise Mühe damit, dass die Bildungsdirektion Vorgaben macht welche weder praxiserprobt und durchdacht sind, noch einen Feldtest bestehen.

Im Privatverkehr propagiert Ihr Grünen ja auch, dass das Angebot die Nachfrage regelt. Genau so ist es im Bereich der Volksschule. Statt das Bestehende richtig umzusetzen und effizient zu betreiben, bietet das Departement Äppli laufend neue "Dienstleistungen" an, welche die Familienstrukturen unterlaufen und die Bequemlichkeit bei Eltern fördert, ja sogar es ermöglichen die Elterliche Pflicht je länger je mehr auf die Schule abzuwälzen.

Unsere​ Volksschule ist mir zu wertvoll, als dass man daraus ein Dauerexperiment macht. Jede Unternehmung braucht neben durchdachten Neuerungen auch Stabilität. Diese Stabilität fehlt nachweislich! In der Privatwirtschaft wären solche Führungskräfte wie Frau Äppli bereits Geschichte.



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