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Altersarmut ist weiblich

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"Möchte ich wirk­lich bis 65 ar­bei­ten? Re­du­ziere ich vor­her mein Ar­beits­pen­sum? Möchte ich mein Pen­si­ons­kas­sen­ge​ld als Rente oder als Ein­mal­aus­zah­lung?​ Wie be­ziehe ich die Gel­der aus mei­nen 3a-­Kon­ten? Das sind Fra­gen, wel­che sich viele Men­schen hier in der Schweiz gar nicht stel­len müs­sen. Denn ihre Rea­lität sieht an­ders aus", schreibt Na­tio­nal­rätin Yvonne Feri auf www.armutinfo.ch.​

Die Pro Senectute veröffentlichte statistische Zahlen bis zum Jahr 2016. Diese sprechen eine deutliche Sprache. 2008 bezogen 159'000 Renter*innen Ergänzungsleistungen.​ 2016 waren es bereits 201'100. 2012 lebten 29.3 Prozent der Rentner*innen von AVH und EL. Nur gerade 1.6% hatten zusätzlich zu der AHV auch noch BV und 3a.  

Armut im Alter nimmt statistisch gesehen kontinuierlich zu. Jede/r achte Rentner*in ist heute davon betroffen. 2012 bezogen 18.6 Prozent der Rentner EL, hingegen 38.4 Prozent der Rentnerinnen. Wie kommt es zu diesem deutlichen Unterschied? Wieso sind Frauen so viel härter davon betroffen? Schlechte Löhne und unbezahlte häusliche Arbeit sind die Gründe. Mit häuslicher Arbeit ist auch die Kinderbetreuung gemeint. 

Zwar sind heute 72 Prozent der Frauen im Erwerbsalter berufstätig. Aber sechs von zehn Frauen arbeiten Teilzeit, ein Drittel weniger als 50 Prozent. Die Kinderbetreuung wird auch heute noch zu einem Grossteil vor allem von Frauen gewährleistet. Ein tiefes Pensum kann bei der Pensionierung sehr problematisch werden. Die meisten Frauen mit kleinem Pensum erhalten oft die Minimalrente von 1'175 Franken. Besser gestellt sind glücklicherweise heute Frauen mit gut verdienenden Männern, die mehr als ein durchschnittliches Einkommen von derzeit 84'600 Franken verdienen. Denn dann erhält das Ehepaar eine Vollrente. Aber wir haben das Jahr 2019 und die Gleichstellung sollte nun wirklich umgesetzt sein. Eine Abhängigkeit vom Einkommen des Ehemannes halte ich nicht für zeitgemäss. 

Oft sind Frauen auch bei mehreren Arbeitgebenden teilzeitbeschäftigt. Wenn dann der Bruttolohn je unter CHF 21'150 Franken liegt, dann ist man bei keinem der beiden Arbeitgebenden bei einer Pensionskasse versichert. 

Das Referendum gegen den AHV-Steuerdeal wurde eingereicht (NEIN zum Kuhhandel) und die Schweizer Bevölkerung wird darüber zu entscheiden haben. 

Die Reform sähe vor, dass neu der nicht versicherte Jahreslohn 40 Prozent beträgt. Mindestens aber 14'100 Franken und höchstens 21'150 Franken. Damit würden alle einen höheren versicherten Lohn und damit mehr Lohnbeiträge und Alterskapital erhalten. Am meisten würden Kleinverdiener*innen davon profitieren. Also Monatslöhne unter 4'100 Franken. Dies durch den prozentualen Abzug, bei ihnen führte der fixe Koordinationsabzug bisher zu einer tiefen Rente. Auch die Rente von Teilzeitangestellten würde damit künftig wesentlich höher ausfallen. Bei den Teilzeitangestellten würde künftig die Benachteiliugung, dass der volle Koordinationsabzug zu einer sehr tiefen Pensionskassenrente führt, entfallen. 

Es geht also in die richtige Richtung. Aber reicht das um die Altersarmut und insbesondere die Altersarmut von Rentnerinnen zu stoppen? 

Ich bin mir noch nicht schlüssig ob ich für den AHV-Steuerdeal stimmen werde. Dieser "Kuhhandel" missfällt mir doch sehr. Zudem ist die Altersarmut zu wenig in der Reform bedacht. Und eine Anhebung des Rentenalters von Frauen auf 65 sehe ich erst als eine gute Idee, wenn die Gleichstellung auch in der Lohngleichheit umgesetzt ist. 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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18%
(11 Stimmen)
Rudolf Oberli sagte Vor 5 Tagen

Nicht alle Kommentierenden haben davon Kenntnis genommen, dass der Umfang der sog. "Altersarmut" anhand der Anzahl der Beziehenden von Ergänzungsleistungen der AHV bestimmt wird. Erhebungen von Pro Senectute zufolge bezogen 2013 in der Schweiz fast 186000 der Rentnerinnen und Rentner Ergänzungsleistungen (EL). Etwa 12 % der Rentner/innen sind auf EL angewiesen. Frauen geraten wegen der Benachteiligungen im Erwerbsleben viel öfter in die Altersarmut.

Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, oder überschreiten die Einnahmen die Ausgaben nur knapp, so kann ein Anrecht auf Ergänzungsleistungen bestehen. Die EL werden monatlich ausbezahlt, dazu kommt die Übernahme von Krankheits- und Behinderungskosten.

Die jährlichen Ergänzungsleistungen entsprechen in der ganzen Schweiz der Differenz zwischen den anerkannten Ausgaben und den angerechneten Einnahmen. Sie sind also nicht von der Entwicklung des "Durchschnittseinkomm​ens" in der Schweiz abhängig.


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36%
(11 Stimmen)
Emil Huber sagte Vor 6 Tagen

Ich finde, die ganze Diskussion um Altersarmut und Renten müsste man mal aus einer anderen Perspektive betrachten.
Jemand sagte einmal, man muss ein Problem nur richtig verstehen, dann findet man auch die Lösung.

Dem Land steht eine bestimmte Geldmenge zur Verfügung.
Nun stellt sich die Frage, was passiert geldmengenmässig überhaupt, wenn wir mehr Rentner haben als bisher?
Vorher bezogen die Rentner ihr Geld für den Lebensunterhalt als Lohn, dann als Rente.
Benötigt dies nun einen grösseren Anteil an der Gesamtgeldmenge?
Ich​ meine, eindeutig nein. Der Bezug von Pensionskassengeldern​ stellt gar einen Abbau von Ersparnissen dar und dieses Geld fliesst wieder in den Geldkreislauf zurück.

Die AHV wurde 1948 eingeführt, da war die Welt aber noch ein wenig anders. Globalisierung und Automatisierung waren bei Weitem noch nicht so fortgeschritten wie heute.
Die Rückfinanzierung erfolgte wie auch heute zum Hauptteil aus Lohnprozenten wobei vor einigen Jahren ein Anteil MwSt hinzugekommen ist, jedoch weniger als dem Volk versprochen wurde:

„Diese Mittel stammen aus einem zusätzlichen Mehrwertsteuerprozent​, das seit dem Jahr 1999 erhoben wird. Die Verfassung hält zwar ausdrücklich fest, dieses sogenannte «Demografieprozent» müsse der AHV/IV zugutekommen. Dennoch leitete der damalige -Finanzminister Kaspar Villiger (FDP) einen Teil dieses Geldes in die allgemeine Bundeskasse um. Das Parlament nickte damals seinen Vorschlag mit grossem Mehr ab. Bislang sind der AHV auf diese Weise über 8 Milliarden Franken entzogen worden (saldo 19/2017).“

https:/​/www.ktipp.ch/artikel​/d/nachgefasst-griff-​in-die-ahv-kasse-nati​onalrat-korrigiert/

Unsinnigerweise hat man die Lohnprozente noch auf einen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil aufgeteilt wohl um zu suggerieren, der Arbeitgeber zahle etwas aus seinem eigenen Sack dazu.

Interessant sind auch folgende Sätze zur AHV:

„Das neue Sozialwerk sah das Rentenalter 65 für beide Geschlechter, die Finanzierung über Beiträge von Arbeitnehmern und -gebern sowie von Bund und Kantonen sowie nach Beitragsleistungen abgestufte Alters-, Witwen- und Waisenrenten vor. Die Renten wurden bescheiden gehalten, damit sie nicht die private Vorsorge konkurrenzierten !!!"

Daraus sollte man doch schliessen können, dass es nicht an angeblich fehlendem Geld liegen kann wenn Altersarmut zunimmt, sondern an falscher Abwicklung beim Rückfluss zur Altersvorsorge.

Ei​ne richtige Reform sähe so aus, dass man weg von den Lohnprozenten kommt und die Prozente für die Altersvorsorge direkt aus dem Umsatz der Wirtschaft generiert wo es keine Rolle mehr spielt ob das Produkt von Menschen- oder Maschinenhand erzeugt wurde und es egal ist ob im In- oder Ausland produziert wurde.

Aber man hat wohl im Interesse der Versicherungen und Banken kein Interesse für eine richtige Reform der Altersvorsorge. Ich zitieren nochmals den Satz: „Die Renten wurden bescheiden gehalten, damit sie nicht die private Vorsorge konkurrenzierten“

​Das sagt doch alles aus, oder etwa nicht?

https://www​.geschichtedersoziale​nsicherheit.ch/synthe​se/1947/




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70%
(10 Stimmen)
Brian Bader sagte Vor 6 Tagen

«Altersarmut ist weiblich»

Meiner Meinung nach kann es keine Altersarmut geben, unabhängig ob eine Person die Minimalrente von 1175 Franken oder 1800 Franken mit keiner oder einer kleinen Rente aus der 2. Säule erhält. Jede Person hat das Recht auf Ergänzungsleistungen zur AHV, sollten die Einnahmen der AHV und der 2. Säule nicht zu einem würdigen Leben reichen.

Mit dem Betrag von 1’621 Franken/Monat (19’450 Franken/Jahr) für den Lebensbedarf für eine Person, ohne Krankenkasse, Selbstbehalt, Zahnarzt und Miete, lebt man nicht in Armut. Dieser Betrag für den Lebensbedarf steht jedem zu, der weniger als 3200 bis 3300 Franken, je nach Kanton (inkl. Krankenkasse, Miete) an Altersrenten erhält.

Die Armutsgrenze liegt bei 2240 Franken für eine Einzelperson, aber nicht nur für den Lebensbedarf, sondern inclusive Miete und Krankenkasse. Eine Person, die eine AHV-Rente mit oder ohne 2. Säule in dieser Höhe erhält, hat Anrecht auf Ergänzungsleistungen.​ Das gilt auch für Frauen, die lediglich die Minimalrente erhalten. Es gibt keine Altersarmut, denn das betrifft nur solche, die aus Scham keine Ergänzungsleistungen beantragen wollen und lieber mit 2240 Franken oder weniger im Monat in Armut leben, obwohl sie das Recht darauf hätten, diesen Zustupf zu bekommen. Bei alleinstehenden Personen mit einem Einkommen bis 40'000 Franken pro Jahr oder bei Ehepaaren 58'000 Franken besteht ein Anspruch.

Was bei den EL noch zu verbessern wäre, ist, dass der Maximalbetrag (1100 Franken) für die Wohnungsmiete angehoben werden müsste. Die 200 Franken für die Miete, die über dem Maximalbetrag bezahlt wird, fehlt dann für den Lebensbedarf, wobei auch 1'400 Franken nicht als «Armut» bezeichnet werden kann.

Nahrungsmittel = 600 Franken
Internet/TV = 130 Franken
Körperpflege​ = 40 Franken
Strom = 50 Franken
Abos, Billette (ÖV) = 100 Franken
Steuern = 100 Franken
Sparen = 100
Taschengeld = 280 Franken
Total 1400 Franken

Es ist ein bescheidenes Leben - aber nicht eines in Armut. Bekämen alle 200'000 EL beziehende Rentner (inclusive Ehepaare) 3000 Franken/Jahr mehr, damit sie sich auch ein Auto oder Ferien leisten können, wären Mehrausgaben von jährlich rund 600 Millionen Franken (zu den 2'900 Millionen Franken) nötig – was auch nicht allen gefiele. Zusätzlich noch rund 400 Millionen Franken für die Erhöhung der Maximalmiete (bei Ehepaaren heute 1250 Franken/Monat), welche längst nötig wäre.






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55%
(11 Stimmen)
Karlos Gutier sagte Vor 6 Tagen

Die Pensionskassen sind heute auch nicht mehr das Wahre, bei unserer ist der momentane Umwandlungssatz bei 4,89 % und wird weiter sinken.

So ist natürlich auch keine existenzsichere Altersrente möglich, da die AHV auch ein Witz ist !


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23%
(13 Stimmen)
Valentina Welser sagte Vor 6 Tagen

Ja super Sache bin im Komitee Streik Tag Winterthur


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25%
(12 Stimmen)
Valentina Welser sagte Vor 6 Tagen

Ein sehr wichtiges Thema. Bevor Anpassungen beim Rentenalter vorgenommen werden, bedürfe es einiger gesetzlicher oder sonstiger Anpassungen: 1.Lohngleichheit, 2. Problem 2.Säule und tiefe Löhne oder mehrere Arbeitgeber.


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33%
(12 Stimmen)
Georg Bender sagte Vor 7 Tagen

Herr Daniel Peter
Symptomkorrekt​uren sind reine Spielformen welche niemals zum Ziel führen und auch nicht zukunftstauglich sind!

Es gilt die Umlagesysteme der Staats- und Sozialquote vom Erwerbseinkommen zu lösen und korrekt einem zu definierenden branchengerechten Umsatz an den Konsumenten und Nutzer zuzuführen. Im Umsatz sind alle Wirtschaftsfaktoren enthalten und die Kaufkraft ist sowieso nicht vom Erwerbseinkommen abhängig, sondern einzig von der Geldschöpfung. Systeme hangen an diesem Tropf (Quelle)!

Die Leistungserbringer untereinander verrechnen keine Staats-oder Sozialquote. Anlehnung an das bewährte WUST-System. Die Mehrwertsteuer suggeriert, wie wenn sonst die Gewinne im Konsumentenpreis nicht enthalten wäre. Dient einzig unnötigen Arbeitsplätzen!



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63%
(16 Stimmen)
Alex Müller sagte Vor 7 Tagen

Was mir dazu in den Sinn kommt.:
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit würde das Problem der Altersarmut entschärfen. Das Gesetz wird seit einem Vierteljahrhundert nicht umgesetzt.
- Die Teilzeitarbeit ergibt am Schluss natürlicherweise eine kleinere Rente.
- Ein Anhebung des Rentenalters ist zwar angesichts der längeren Lebenserwartung eine "mathematisch-gerecht​e" und fast logische Sache. Aber ob es dann auch sozial gerecht gehandhabt würde, ist unsicher. Wenn die Arbeitgeber nämlich weiterhin keine Angestellten über 50 aufnehmen, und Leute ab 60 entlassen, wird eine Anhebung des Rentenalters nur zu höheren Langzeitarbeitslosen führen. Das heisst die Kosten für ausgesteuerte Menschen würden um die angehobenen Jahre längere Unterstützung auslösen.
- Man könnte versuchen, das Schwedische Modell anzuwenden. Dort können höhere Angestellte im Betrieb in höherem Alter auch "absteigen". Sie werden z.B. al Vorgesetzte entlastet aber ihre angesammelten Fachkenntnisse werden weiterhin im Betrieb genutzt. (in der Entwicklung, Weiterbildung, Fachwissen ). Sie bekommen dann zwar für die letzten Arbeitsjahre weniger Lohn. Aber das in einem Alter, wo die Kinder schon ausgeflogen sind. Resultat: Keine Arbeitslosenkosten.
​- Während hierzulande


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