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Brunnenvergifter unserer Geschichte

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Auf er­schre­ckende Weise wurde in den letz­ten Tagen of­fen­bar, dass Ju­den­hass nicht nur eine Spezialität von Neo­na­zis ist, wenn man liest, was anlässlich propalästinensischer Ak­tio­nen skan­diert oder auf Fa­ce­book ge­pos­tet wur­de. „Wir müssen die Juden ausrotten“, „Hamas sollte mal Zy­klon B einsetzen“, „Nur ein toter Jude ist ein guter Jude“, „Wie schön wäre die Welt ohne Juden“, " Kindermörder", „Keiner mag euch, jeder hasst euch“, "Mörderwalze", "­Neue Na­zis", „Richtig ehrenloses Volk, schämt euch für eure Existenz“.

„Nur weil ich kritisch bin gegenüber Israel, bin ich nicht antisemitisch“, ist eine Aussage, die ebenso richtig ist wie banal, aber am Thema vorbei geht. Meinungsäusserungsfre​iheit und Kritik am Verhalten anderer sind in Demokratien selbstverständliche Grundrechte. Der Skandal liegt denn auch nicht in der Haltung gegenüber Israel im Palästinakonflikt, sondern im toleranten Stillschweigen gegenüber dem Hass, der die Kritik begleitet und der auch unsere jüdischen Mitmenschen in der Schweiz betrifft. In der leidenschaftlichen Einseitigkeit der Beurteilung der Konfliktparteien. Im demgegenüber auf auffällige Weise unengagierten Verhalten, wenn es um andere Konflikte geht und dem von diesen verursachten Leid. Antisemitismus muss bekämpft werden, wo immer seine Fratze erscheint. Er ist der „Brunnenvergifter“ unserer Geschichte.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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63%
(8 Stimmen)
Urs Gassmann sagte August 2014

Mit "Antisemitismus" meint Frau Binder-Keller "Judengegnerschaft", und
sie schmiegt sich der im Grunde genommenen unkorrekten Einbürgerung
des in der Öffentlichkeit verstandenen letztgenannten Begriffs an. Es gibt
auch nichtjüdische Semiten, zu denen sich u.a. die Araber einreihen. Von
"Antisemitismus" im Palästinenserkonflikt​ zu reden halte ich für grundfalsch.
Bei den von Frau Binder-Keller wiedergegebenen Äusserungen, wie sie in
der Nazizeit gebraucht wurden, handelt es sich um blosse Kriegsrufe der einen
Seite. Frau Binder liegt richtig, wenn sie die Übertragung propalästinensischer Parteilichkeit auch gegenüber den Diasporajuden geisselt. Das Ganze hat nämlich mit "den Juden" an sich nichts zu tun.



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