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Das Märchen von der schädlichen „Masseneinwanderung“ Teil 3

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Gewisse Par­teien aus dem na­tio­nal­kon­ser­va​­ti­ven Lager schie­ben gerne die Schuld für alle Pro­bleme oder Schein­pro­ble­me, die wir in der Schweiz ha­ben, der Ein­wan­de­rung zu. So sol­len die Ein­wan­de­rer Schuld an den ver­stopf­ten Stras­sen, den überfüllten Zügen oder der zu­neh­men­den Überbauung sein. Die Fak­ten zei­gen al­ler­dings, dass die tatsächlichen Haupt­ur­sa­chen für die Pro­bleme ganz wo an­ders lie­gen: Ers­tens braucht jeder Schwei­zer und jede Schwei­ze­rin durch­schnitt­lich immer mehr Raum, ist immer mo­bi­ler und fährt immer mehr Auto. Zwei­tens wurde in der Schweiz in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten die na­tio­nale Raum­pla­nung sträflich vernachlässigt.

Pete​r Schlemihls Politblog

Sehr viel Landwirtschaftsfläche​ vorhanden

Wenn man sich die aktuelle Diskussion anhört, könnte man meinen die Schweiz bestehe fast nur noch aus Siedlungsfläche und Landwirtschaftsfläche​ und Wald seien fast vollständig verschwunden. Dem ist natürlich nicht so: Insbesondere die Landwirtschaftsfläche​ (37% der Gesamtfläche) in der Schweiz ist nach wie vor riesig und wird durch Subventionen in Milliardenhöhe auch künstlich hoch gehalten. Die Waldfläche macht rund 31% der Gesamtfläche aus und nimmt leicht aber stetig zu. Rund ein Viertel der Gesamtfläche ist sogenannte „unproduktive Fläche“. Aber diese eignet sich selbstverständlich trotzdem gut als Natur- und Erholungsgebiet. Nur gerade 7% der Gesamtfläche werden als Siedlungsfläche gebraucht, wobei die Tendenz steigend ist.

Verteilung der Gesamtfläche. (Quelle: Bundesamt für Raumentwicklung)

Verteilung der Gesamtfläche. (Quelle: Bundesamt für Raumentwicklung)

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Weiter ist zu erwähnen, dass rund 20% der Bauzonen nicht heute nicht überbaut sind. Das heisst also, dass zur Zeit noch genügend Bauland vorhanden ist, ohne dass umgezont werden müsste und ohne dass Landwirtschaftsland oder Wald verloren ginge. Zudem fällt auf, dass in der Schweiz die Fläche die unter Naturschutz steht im internationalen Vergleich sehr gering ist und wir beispielsweise nur einen Nationalpark haben. Man müsste sich überlegen, ob man die Landwirtschaftsfläche​ weiterhin durch massive Subventionen auf einen derart hohen Niveau halten will oder ob man nicht stattdessen mehr Land unter Naturschutz stellt.

 

Schweizer​ brauchen mehr Wohnraum als Ausländer

Dass immer mehr Land überbaut wird, liege an der Einwanderung behaupten die Gegner der Personenfreizügigkeit​. Diese Behauptung kann leicht widerlegt werden, wenn man sich die Entwicklung der Wohnraums pro Kopf er Bevölkerung anschaut getrennt nach Schweizern und Ausländern.

Wohnraum pro Person. Bei den Zahlen von 2010 handelt es sich um Schätzungen. (Quelle: Bundesamt für Raumentwicklung).

Wohnra​um pro Person. Bei den Zahlen von 2010 handelt es sich um Schätzungen. (Quelle: Bundesamt für Raumentwicklung).

 
Die Grafik zeigt sehr schön, dass der Wohnraum pro Person in den letzten 30 Jahren um über 41%  zugenommen hat. Bei den Schweizern sind es sogar rund 46%. Die Bevölkerungszunahme in diesem Zeitraum betrug aber nur rund 22%. Das heisst, der zusätzlich benötigte Raum pro Kopf der Bevölkerung hat mehr zur Überbauung beigetragen als die Bevölkerungszunahme und somit erst recht mehr als die Einwanderung. Zudem muss betont werden, dass Schweizer im Schnitt fast 40% mehr Wohnraum benötigen als Ausländer.
 
Zunehm​ende Mobilität
Auch bei den Staus auf den Strassen und den überfüllten Zügen liegt die Hauptursache nicht bei der Einwanderung sondern in der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung. Innerhalb von gut 20 Jahren hat die durchschnittliche Tagesmobilität (d.h. die durchschnittlich zurückgelegt Strecke pro Person ab 10 Jahren und Tag) um 46% zugenommen.
 
Massiver Anstieg der Tagesmobilität. (Quelle: Bundesamt für Statistik).

M​assiver Anstieg der Tagesmobilität. (Quelle: Bundesamt für Statistik).

 
M​angelnde Raumplanung
Die Hauptursache für all die genannten Probleme ist in einer mangelnden und zu wenig auf nationaler Ebene koordinierte Raumplanung zurückzuführen. Mangelhafte Raumplanung für zu mehr Pendlern und mehr Mobilität. Gleichzeitig werden auch die vorhanden Bauzonen zu wenig gut und dicht genutzt und es kommt zu Zersiederlung. Wer die Einwanderung für die genannten Probleme verantwortlich macht, streut der Bevölkerung Sand in die Augen und versucht sich vor der Bewältigung der tatsächlichen Ursachen zu drücken!

Kommentare von Lesern zum Artikel

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45%
(11 Stimmen)
Alex Schneider sagte December 2012

Die Analyse ist korrekt, nur die Schlussfolgerungen nicht. Die Nachfrage der Schweizer Bevölkerung und Wirtschaft nach Bauland können wir nicht steuern, die Zuwanderung aber schon. Auch wenn diese vielleicht nur für ein Drittel der Zusatznachfrage verantwortlich ist, könnte eine Beschränkung etwas Erleichterung verschaffen.
Wenn wir nicht so unsäglich stark auf die Wirtschaft fokussiert politisieren würden, könnten wir auch besser mit Baulandbeschränkungen​ und in der Folge mit steigenden Bodenpreisen leben.


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50%
(24 Stimmen)
Oskar Matzerath sagte October 2011

Die SVP macht es sich einfach: Sie gibt für alle Probleme den Ausländern die Schuld. Dieser Artikel entlarvt(und zwar anhand von Fakten!!!)die SVP-Mythen.

Schade​, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung diese Fakten nicht kennt.


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45%
(22 Stimmen)
Franziska Keller sagte October 2011

Herren Schlehmil, Lohmann, Kröger leben Sie alle in der Schweiz?

Gemäss eigenen Angaben lebt Herr Schlehmil in Kapstadt, könnte es sein, dass Herren Lohmann, Kröger ebenfalls dort wohnhaft sind? Oder eventuell in der EU?
Lohmann und Kröger tönt sehr Deutsch.
Ich frage nur, weil ich finde Sie könnten Ihre Energie vielleicht besser und nützlicher dort investieren wo Sie wohnhaft sind, es würde mehr Sinn machen, als hier dieses Forum mit Ihren schlecht verkleideten Sinnlosigkeiten zu tapezieren und sich anschliessend gegenseitig, bzw. selbst zu beweihräuchern.
Ich frage nochmal: Wozu die Mühe? Die Resultate sind doch sehr dürftig.


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64%
(22 Stimmen)
Peter Schlemihl Wrobel sagte October 2011

Lieber Herr Anderegg

Alle Kommentare, die persönliche Beleidigungen gegen andere Kommentatoren oder sonstige Personen (z.B. Politiker)oder Fäkalsprache enthalten(Dünnschiss scheint Ihr Lieblingswort zu sein) oder nicht themenbezogen sind, werden konsequent gelöscht!

Also, halten Sie sich an diese Regeln und ihre Kommentare bleiben stehen!



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59%
(22 Stimmen)
Fritz Kröger sagte October 2011

Sehr schöne aufgezeigt, dass eben der Ressourcenverbrauch (Raum, Energie, ...) nicht in erster Linie wegen der Einwanderung zunimmt, sondern wegen dem zunehmendem Verbrauch pro Kopf der SCHWEIZER!


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40%
(30 Stimmen)
Dieter E.U. Lohmann sagte October 2011

Es gibt keinen Grund für Hysterie! Wir haben ohnehin viel zu viel Landwirtschaftsfläche​! Zudem sind 20% der Bauzonen unbebaut. In der Schweiz können problemlos 10 Mio Menschen leben ohne Einschränkung der Lebensqualität!


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