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Ethik und Werte werden in Frage gestellt

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Ethisch schwie­rige The­men wie die Ster­be­hilfe und die Präimplantationsdiagn​ostik wer­den im EJPD unter der neuen Bundesrätin Si­mo­netta Som­ma­ruga und im EDI unter Bun­des­rat Di­dier Burk­hal­ter nicht mehr an­ge­packt, re­spek­tive das Ge­setz für die Ster­be­hilfe wird nicht verändert, die Präimplantationsdiagn​ostik wird er­laubt und das Ge­setz wird grosszügiger ge­stal­tet.

Bei der Sterbehilfe haben wir – unter anderen auch mit Vorstössen – eine Aufsichtsregelung und vor allem das Verbot des Sterbetourismus gefordert. Ich habe nie für ein Verbot der Sterbehilfe plädiert, aber ich wollte klare Schranken. Diese gibt es laut Entscheid des Bundesrates nun nicht. Es ist klar, dass die bestehenden Organisationen keine neue Regelung und schon gar kein neues Gesetz befürworten. Werden diese Organisationen auch in Zukunft ihr Geschäft mit dem Sterben ohne Aufsicht machen können? Wer prüft, ob es eine Statistik gibt? Wer prüft, ob wenigstens das vorhandene Gesetz eingehalten wird und die Sterbehilfe nicht doch als eigennützige Gewinnmacherei missbraucht wird? Wir werden auf jeden Fall alles was die Sterbehilfe betrifft kritisch mitverfolgen und wenn nötig wieder mit weiteren Vorstössen aktiv werden. Mich befriedigt diese Lösung in keiner Art und Weise.

Bei der Präimplantationsdiagn​ostik passiert genau das Gegenteil. Die Vorlage des Bundesrates, die in die Vernehmlassung ging, wird zwar in dem Sinn bestätigt, dass nur Embryonen mit Verdacht auf eine schwere Behinderung untersucht werden dürfen. Aber in Zukunft werden bei der Invitrofertilisation nicht nur drei Embryonen sondern sechs bis acht erlaubt. Diese drei Embryonen waren mal das Ergebnis einer grossen Diskussion, bei dem auch die Würde und die Ethik in den Mittelpunkt gestellt wurden. Auch der Beginn des menschlichen Lebens wurde damals thematisiert. Jetzt will man diese Zahl plötzlich ausweiten, sogar mit dem Hinweis, dass Embryonen für eine spätere Einpflanzung konserviert werden können. Was sind nun Embryonen? Sind es schon menschliche Wesen oder sind es nur ‚Zellen‘, über die man einfach verfügen kann? Ich werde diese Gesetzesänderung nicht unterstützen, denn sie widerspricht meiner ethischen Haltung, das Leben und die Menschenwürde zu achten. Auch wenn es sich hier ‚nur‘ um Embryonen handelt, sind alle menschlichen Eigenschaften vorhanden, sonst könnte man ja auch keine schweren Behinderungen feststellen. Und diesen Embryonen gebührt Respekt und ich weigere mich, dass man diese konserviert und dann später wieder mal hervorholt. Zudem habe ich den leisen Verdacht, dass dieses Gesetz der Forschung sehr entgegenkommt, denn überzählige Embryonen sind laut Gesetz, für die Forschung freizugeben.

Der Bundesrat hat mit diesen beiden Vorlagen sehr liberal entschieden und wird viele Leute vor den Kopf stossen. Ich werde mich weiter für die Werte des menschlichen Lebens und für die Würde des Menschen, von der Geburt, respektive der Zeugung, bis hin zum Tod einsetzen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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Der Verein Vimentis hat sich entschieden, die Kommentarspalte zu den Blogs zu schliessen. In der folgenden Erläuterung erfahren Sie den Grund für diesen Entscheid.

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In der Vergangenheit wurden diese Werte in der Kommentarspalte jedoch regelmässig missachtet, es kam immer wieder zu nicht tolerierbaren Aussagen in den Kommentaren. Das Löschen dieser Kommentare ist heikel und zudem mit grossem Aufwand verbunden, welcher der Verein nicht stemmen kann. Zusätzlich können die Kommentare praktisch anonym verfasst werden, weswegen eine Blockierung der jeweiligen Personen unmöglich wird.

Folglich hat der Verein Vimentis entschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten und nur den Blog stehen zu lassen. Der Blog erlaubt es Personen weiterhin, sich Gehör zu verschaffen, ohne sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Die Änderung sollte die Blog-Plattform qualitative verbessern und all jenen Personen ins Zentrum rücken, welche Interessen an einer sachlichen Diskussion haben, sowie die oben erwähnten Werte respektieren.


33%
(6 Stimmen)
Karl Müller sagte July 2011

Ab wann ist ein Mensch ein Mensch?
Wie lange ist ein Mensch ein Mensch?

Das menschliche Leben kennt keine klaren Grenzen.
Die Entwicklung im Mutterleib dauert Monate.
Die Geburt? Dauert Stunden.
Der Tod? Dauert Stunden. (Man kann nur lebende Organe transplantieren.)

​Im menschlichen Leben gibt es nur einen einzigen einigermassen scharf definierten Uebergang: die Befruchtung der Eizelle.
Alles andere ist unscharf.
Vor der Befruchtung: eine Eizelle plus Spermien, beide sind ohne Befruchtung zum Abstreben verurteilt.
Nach der Befruchtung: ein sehr kleiner Mensch. Mit seinem ganzen Potential.
Nach der Befruchtung braucht das Kind nur noch die richtige Umgebung.

Es dauert Jahre bis ein Kind ohne Hilfe überleben kann. Viele Menschen sind ihr ganzes Leben auf fremde Hilfe angewiesen. Andere erst wieder in ihren letzten Lebensjahren.
Die Hilfsbedürftigkeit ist kein Freibrief, die hilfsbedürftigen Menschen zu töten.

Viele Menschen leiden darunter keine Kinder bekommen zu können. Ihnen muss geholfen werden, wenn nötig auch durch die Fortpflanzungsmedizin​. Die Schranke liegt dort, wenn überschüssige Embryonen produziert werden.

Abtreibung​ ist genauso Totschlag wie die Verwendung der Spirale und die Pille danach. In allen diesen Fällen werden Menschen getötet.

Viele Frauen leiden darunter abgetrieben zu haben. Das ist die einzig richtige Reaktion! Hier hilft weder beschönigen noch verurteilen.
Wenn Sie selber abgetrieben haben, lassen Sie Sich von niemandem einreden, dass das kein Unrecht war.
Wenn Sie das von ihnen begangene Unrecht bereuen, lassen Sie Sich von niemandem einreden, dass es mehr braucht als diese Reue.


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83%
(6 Stimmen)
Sägesser Barbara sagte July 2011

Eigentlich finde ich im Rahmen des Schutzes für Mutter und Kind es absolut in Ordnung, wenn eine Früherkennung vorliegt. Doch abgetrieben sollte bloss werden, wenn das erwartete Kind nicht lebensfähig ist, die Gesundheit der Mutter und des Kindes in Gefahr ist. Für anderes steht noch der Weg (Adoption) frei. Ob abgetrieben werden soll oder nicht, ist die Entscheidung der Kindesmutter und ev. noch des Partners. Doch leider geschieht dies zuweilen auch aufgrund Mangels Informationen seitens den Ärzten. So denke ich, dass einige Föten abgetrieben wurden obwohl diese eigentlich ein wunderbares, selbständiges Leben hätten führen können. Schade! Dem sollte entgegengewirkt werden durch Anlässe, Informationen etc. Einige gibt es glücklicherweise schon im Rahmen von Selbsthilfegruppen z.B. Was sicherlich auch nicht sein sollte sind Designer-Babys. Denn so würde der Regenbogen der Menschheit an Farbe verlieren, befürchte ich.

Was die Sterbehilfe anbelangt, so sehe ich es wie Sie - erlaubt in gewissen Schranken. Viel Kraft und Erfolg auf diesem Weg, Frau Glanzmann-Hunkeler.



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89%
(9 Stimmen)
Marc Meier sagte July 2011

Ich bin verwirrt. Hier wird über Präimplantationsdiagn​ostik geredet und keiner spricht die grösste Gefahr an: Designer-Babys !
Wenn man Behinderte aussortiert, ist es nur ein kleiner Schritt weiter, dass man gesunde wegsortiert.


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53%
(15 Stimmen)
Pat Germann sagte July 2011

Liebe Frau Glanzmann-Hunkeler
S​ie pachten hier die Ethik für sich und bringen keinerlei schlüssige Argumente für ihre Position an.
Bei der Präimplantationsdiagn​ostik (PID) geht es, wie Sie sagen, darum Behinderungen zu verhindern. Wieso sollte man Behinderungen verhindern? Weil sie Leid verursachen. Was könnte das Ziel unseres ethisch-politischen Handelns sein, wenn nicht Leidverminderung und Glücksmaximierung? Vielfach wird argumentiert, dass die Prävention von Erbkrankheiten, die zu Behinderungen führen, Behinderte diskriminieren. Das tut sie mitnichten. Behinderte und kranke Menschen verdienen unsere volle Unterstützung. Nicht aber Behinderung und Krankheit! Gerade weil wir die Menschen bestmöglich unterstützen wollen und sollen, müssen wir Behinderung und Krankheit bekämpfen. Wir lassen uns ja auch impfen. Wer meint, die Prävention von Erbkrankheiten, die zu Behinderungen führen, habe die Diskriminierung von Behinderten zur Folge, der könnte genauso gut argumentieren, man müsse die Impfungen abschaffen, weil sie zu Diskriminierungen von Menschen führen, die an den Krankheiten leiden, die man durch die Impfungen bekämpfen kann. Wenn Sie sich gegen die PID einsetzen, müssten sie konsequenterweise auch die Abschaffung von Impfungen fordern.
Zu ihren Ausführungen zu Embryonen: Nein, bei Embryonen sind offensichtlich keine menschlichen Eigenschaften vorhanden. Insbesondere sind Embryos nicht empfindungsfähig. Deshalb ist die Abtreibung ja bis in die 12. Schwangerschaftswoche​ erlaubt. Einem nicht empfindungsfähigen Lebewesen kann man kein Leid zufügen. Es ist deshalb ethisch nicht verwerflich, abzutreiben und die PID einzusetzen. Ihre Rede von der "Würde des Menschen" ist eine Begriffsverwirrung. Definieren Sie mal "Würde". Die Würde eines Menschen zu achten, bedeutet doch nichts anderes als sein Interesse, leidfrei zu leben, zu schützen. Aber ein Embryo hat dieses Interesse nicht. Man kann kein Interesse schützen, das nich vorhanden ist. Im Gegensatz zu Embryos sind Tiere empfindungsfähig. Sie haben also ein Interesse, zu leben und leidfrei zu leben. Aber dieses Interesse, die man in Ihren Worten als "Würde der Tiere" bezeichnen könnte, missachten wir jeden Tag millionenfach in krasser Weise. Unsere "Nutztiere" sind so empfindungsfähig wie geistig Säuglinge, Demente oder geistig Behinderte. Deshalb müssen wir auch ihr Interesse, zu leben und leidfrei zu leben, durch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit schützen. Auch hier besteht die Gefahr, dass Sie sich mit dem biblischen Wort der "Krone der Schöpfung" und vom "Ebenbild Gottes" die Sicht auf die Argumente versperren.
Setzen wir uns ein für eine progressive Bioethik mit dem Ziel der Leidminimierung! Daraus folgt unmittelbar die Unterstützung der Sterbehilfe, der PID, der Abtreibung und der Tierrechte/des Veganismus.


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38%
(13 Stimmen)
Hans Meier sagte July 2011

Für mich sind das Zellen.



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43%
(21 Stimmen)
Paul Emmenegger sagte June 2011

Frau Glanzmann, die Würde des Menschen endet leider bei vielen (speziell der JSVP) nach der Geburt. Und sie scheint regional beschränkt zu sein.


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