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Geniessen Sie die Leichtigkeit des Nichtkandidierens

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„Sie können sich das Wer­be­ma­te­rial spa­ren – ich habe Sie be­reits gewählt.“ Das sagen mir die Leute immer öfters, wenn ich am frühen Mor­gen Kau­gummi oder Scho­ko­lade zu­sam­men mit einem Flyer oder einem Wett­be­werb ver­tei­le. Ein Auf­stel­ler ist das im­mer. Blen­den lasse ich mich da­durch natürlich nicht. Aber im­mer­hin spüre ich, dass Leute mich wählen.

Rund 50‘000 Stimmen muss ich als Sozialdemokrat im Kanton Bern ergattern, damit ich gewählt werde. Und ob der Vorstellung dieser Zahl weicht meine zwischenzeitliche Euphorie wieder einer grossen Skepsis. Schreiben wirklich 50‘000 Leute meinen Namen auf den Wahlzettel?

Der Partner einer erfahrenen Exekutivpolitikerin beschrieb mir die letzten Tagen vor dem Wahltermin wie folgt: Fast stündlich würden Zweifel aufkommen. Hier höre man Leute, die irgendwo etwas Ungutes aufgeschnappt hätten, da sei man wieder frustriert wegen eines taktischen Fehlers. Oder man hört von jemand anderem, es stehe sehr gut. Kurz: die letzten paar Tage vor den Wahlen seien ein riesiges Auf und Ab. Exakt so erlebe ich das. Niemand weiss etwas Genaues. Alle reden viel.

Keine Kandidatin und kein Kandidat hat die Gewissheit, dass sie oder er gewählt oder wiedergewählt wird. Konkret erleben also alle dasselbe Auf und Ab in der Schlussphase des Wahlkampfs.

Für die Leserin und den Leser dieses Blogs heisst das: Lehnen Sie sich zurück und geniessen Sie die Leichtigkeit des Nichtkandidierens. Nur einen minimen Druck sollen Sie verspüren - nämlich, dass Sie den Wahltermin nicht verpassen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

Information zur Abschaltung der Kommentarfunktion

Der Verein Vimentis hat sich entschieden, die Kommentarspalte zu den Blogs zu schliessen. In der folgenden Erläuterung erfahren Sie den Grund für diesen Entscheid.

Der Blog, und dazu gehört auch die Kommentarspalte, sind ein wichtiger Teil der Diskussionsplattform von Vimentis. Gleichzeitig sind Werte wie Respekt, Anstand und Akzeptanz für den Verein von grösster Wichtigkeit. Vimentis versucht diese Werte selbst einzuhalten, sowie auch auf der Website zu garantieren.

In der Vergangenheit wurden diese Werte in der Kommentarspalte jedoch regelmässig missachtet, es kam immer wieder zu nicht tolerierbaren Aussagen in den Kommentaren. Das Löschen dieser Kommentare ist heikel und zudem mit grossem Aufwand verbunden, welcher der Verein nicht stemmen kann. Zusätzlich können die Kommentare praktisch anonym verfasst werden, weswegen eine Blockierung der jeweiligen Personen unmöglich wird.

Folglich hat der Verein Vimentis entschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten und nur den Blog stehen zu lassen. Der Blog erlaubt es Personen weiterhin, sich Gehör zu verschaffen, ohne sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Die Änderung sollte die Blog-Plattform qualitative verbessern und all jenen Personen ins Zentrum rücken, welche Interessen an einer sachlichen Diskussion haben, sowie die oben erwähnten Werte respektieren.




100%
(1 Stimme)
Kurt Anton Brugger sagte October 2011

Grüezi Herr Aebischer, ihr neuester Beitrag ist schon fast philosophisch. Aber klar Ihre Sichtweise auf die Kandidaten (Erstkandidaten), mit Bezug auf die emotionale Anspannung, sicher richtig. Sie selber haben das Privileg als Mitarbeiter des SF, mit starker Präsenz am Bildschirm, schon vor der Kandidatur einen hohen Bekanntheitsgrad zu besitzen.Das bedeutet einen sicheren Basiswert an Stimmen von Wechsel- und Sympathie-Wählern. Also einen klaren Vorsprung zu jedem anderen Kandidaten Ihres Kantons für den Sie sich zur Wahl stellen.
Aber Ihnen ist sicher auch bekannt, diejenigen die Sie wählen werden, haben eine hohe Erwartungshaltung in Ihre Person. Diese "Hypothek" müssen Sie mit konsequenter politischer Linie abarbeiten, um einen hohen %-Satz zu Stamm-wählern werden zu lassen. Eine anspruchsvolle Aufgabe!
Ihrem Kollegen von der mitte-rechtspartei ist dies nach jahrelanger Arbeit gelungen. Als Alt-68er (mit happigem Linksdrall) hat er vom "Saulus zum Paulus" mutiert, und ist jetzt daran die zürcher Goldküste zu erobern.
Aber jetzt zurück zu Ihnen. Ob Ihr Rezept "Kaugummi+Schokolade​" oder die Wählerschaft (die Sie gewinnen müssen) zum "Zurücklehnen" (Nichtstun) auffordern, der "Weisheit letzter Schluss" ist, wage ich zu bezweifeln. Volksvertreter brauchen eine Stammwählerschaft, mit der Sie eine verschworene Gemeinschaft bilden, basierend auf gegeseitigem Vertrauen. Dies zu erreichen ist knallharte Aufbauarbeit. Ihre Stammwähler bilden Ihre "Fan-Gemeinde"(sofe​rn Politik überhaupt mit Sport zu vergleichen ist), die Sie konsultieren müssen,und nicht enttäuschen dürfen. Einseitige Orientierung an den Partei-Oberen genügt nicht.Es steht Ihnen eine Menge Arbeit bevor, wenn Sie die "Vorschuss-Lorbeeren​" (aus den TV Auftritten)für Ihre neue Karriere nutzen wollen. Und vergessen Sie die Genossen von der Werkbank nicht (sie haben die SP zu dem geamacht was sie heute ist), abgehobene Intellektuelle tummeln sich schon genügend in der Partei "des arbeitenden Volkes".
Aus Respekt für einen Schweizer, der bereit ist sich der Mühsal politischer Auseinandersetzungen zu stellen, für ein bisschen mehr soziales Prestige, aber hoffentlich auch um die Schweiz voran zu bringen, wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Meine persönliche Erwartungshaltung an die SP, sie muss wieder auf den Pfad zurück finden, der Vor-Hubacher-Zeiten. Damals stand Ihre Partei für sozialen Frieden, Arbeitsfrieden (Frieden zwischen den Sozialpartnern), Mitbegründer des Wohlfahrtstaates Schweiz. Zuverlässigkeit in der Partnerschaft für eine gemeinsame, zukunftsorientierte Politik in unserem Land zeichnete die damalige SP aus. Die klassenkämpferischen Parolen einiger Politologen, Soziologen, nicht mehr geerdeten "Polit-Experten" sind nicht zielführend. Gruss und viel Gfreut's K.Brugger


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57%
(7 Stimmen)
Matthias Aebischer sagte October 2011

Sehr geehrter Kurt Brugger,
das ist wohl der intelligenteste Blog-Kommentar, den ich in den letzten sechs Monaten erhalten habe. Sie bringen es auf den Punkt. Meine Eltern sind Ur-SP-ler und ich durfte an ihrer Seite, die Entwicklung der SP in den letzten 40 Jahren hautnah miterleben. Ich nehme mir Ihre Voten zu Herzen. Zwei wichtige Punkte möchte ich noch meinerseits festhalten. 1. Ich arbeite seit einem halben Jahr nicht mehr beim Schweizer Fernsehen. Unabhängige Berichterstattung ist mit einem Wahlkampf nicht zu vereinbaren. 2. Ich war nie und bin auch heute kein Intellektueller. Und deshalb darf ich Ihnen versichern, dass ich im Falle einer Wahl, toll arbeiten und mich voll für die von Ihnen skizzierten Werte der SP einsetzen werde.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Matthias Aebischer


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38%
(8 Stimmen)
Christoph Reuss sagte October 2011

Zitat MA: "das ist wohl der intelligenteste Blog-Kommentar, den ich in den letzten sechs Monaten erhalten habe."

Wie hoch ist denn Ihr IQ, um das beurteilen zu können?

Erst behandeln Sie das Wahlvolk wie Äffchen, die man mit Schoggi dressiert, und nun schwingen Sie sich zum Richter auf über die Intelligenz von Usern (wobei per Definition Ihre politischen Gegner unintelligent sind). *kopfschüttel*

Ob eine solche Arroganz intelligente Wähler beeindruckt, wage ich zu bezweifeln.

Zitat:​ "Ich arbeite seit einem halben Jahr nicht mehr beim Schweizer Fernsehen. Unabhängige Berichterstattung ist mit einem Wahlkampf nicht zu vereinbaren."

Als​ ob das SP-lastige SF unabhängige Berichterstattung bieten würde...



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50%
(2 Stimmen)
Kurt Anton Brugger sagte October 2011

Hallo Herren Aebischer und Reuss, ein "guter" Blogger kann es nie allen recht machen. Bezogen auf die Politik sind die Argumente in der politischen (und ideellen) Auseinander-setzung für diejenigen, bei denen die Message ankommen sollte, immer kontrovers. Falls Sie MA, ein durchsetzungsfähiges Mitglied des NR werden wollen, sind dialektische Fähigkeiten gefragt,einige rhetorische Regeln, "langer Atem" und belastbare Psyche. Dazu noch eine Reihe anderer Fähigkeiten: zB Visionen haben (nicht nur Träume), gouverner c'est prévoire! Politische Intelligenz, eine Frage der Bildung und der Efahrung, kommt im Verlauf der Zeit beim lernfähigen Politiker dazu. Und Lernfähigkeit setzt einen bestimmten IQ voraus.Ein Strauss von Fähigkeiten, die sich auf nur wenige in Bundesbern vereinen.
Ein Politiker der permanent den Gegner als Person, oder in seiner Parteizugehörigkeit angreift, manöveriert sich selber in Abseits. All die "Intellektuellen" jeder parteipolitischen Couleur, welche in diesem Wahlkampf auf Personen (zB Blocher) und Parteien (zB SvP) "geschossen" haben, sind in meinen Augen nicht auf dem richtigen Weg unser Land voran zu bringen, oder mit geeinten Lösungen die aktuelle Krise zu bewältigen.Mit Grüssen und besten Wünschen Kurt Brugger
NB Dies ist mein letzter Beitrag in diesem Blog.


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33%
(3 Stimmen)
Christoph Reuss sagte October 2011

Sie sagen es, Herr Brugger.

> Und Lernfähigkeit setzt einen bestimmten IQ voraus.

Z.Bsp. das Lernen aus den Nachteilen der EU. Ausser natürlich, man selbst profitiert davon -- dann kann man auch mit hohem IQ für den EU-Beitritt sein. Allerdings kann man das dann nicht mehr als "sozial" und "demokratisch" verkaufen! Daraus folgert logisch: Ein intelligenter Sozial-Demokrat muss gegen den EU-Beitritt sein.

Zitat: "Ein Politiker der permanent den Gegner als Person, oder in seiner Parteizugehörigkeit angreift, manöveriert sich selber in Abseits. All die "Intellektuellen" jeder parteipolitischen Couleur, welche in diesem Wahlkampf auf Personen (zB Blocher) und Parteien (zB SvP) "geschossen" haben, sind in meinen Augen nicht auf dem richtigen Weg"

So ist es. Die SP muss halt von ihren eigenen Widersprüchen und mangelnder Substanz ablenken, indem sie sich als "Anti-SVP" profiliert.



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38%
(8 Stimmen)
Christoph Reuss sagte October 2011

Zitat: "wenn ich am frühen Mor­gen Kau­gummi oder Scho­ko­lade zu­sam­men mit einem Flyer oder einem Wett­be­werb ver­tei­le."

Was ist denn das für ein Demokratie"verständn​is" -- dass man Stimmen mit Kaugummi und Schokolade "kaufen" kann!? Sollten nicht die Argumente überzeugen?

Den Vogel abgeschossen hat mal ein SP-Kandidat in meiner Stadt, indem er _Beruhigungstee_ verteilte. Damit hat er ja eingestanden, dass die Leute sich über seine Politik zuviel aufregen mussten.



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