Bildung, Forschung > Sonstiges,

Hitlers Generalstabschef landete im Konzentrationslager

Artikel weiterempfehlen

Stimmen Sie dem Artikel zu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Artikel!

Hitlers Ge­ne­ral­st­abs­chef​​ lan­dete im Konzentrationslager

I​n der längeren Buchbesprechung in der NZZ vom 30. Januar 2019 „Der Führer und seine Generäle“steht: „Anders als noch in der Sudetenkrise, als ein kleiner Teil der Militärelite um Generalstabschef Ludwig Beck die Entmachtung Hitlers im Falle eines Kriegs plante, zeigte sich Becks Amtsnachfolger, Franz Halder, im April 1939 rückhaltlos begeistert von Hitlers Fähigkeiten und lobte die "hervorragende....ins​​tinktsichere Politik des Führers".

Diese Aussage und der Eindruck, den sie von General Franz Halder, vermittelt, ist falsch.

Der grosse Mehrheit der deutsche Generalität zeigte an einem Treffen vom 4. August 1938 mit Hitler - ob für oder gegen ihn - dass sie aus rein militärischen Gründen gegen einen baldigen Kriegsbeginn war. Sie war überzeugt, dass Deutschland zur Vorbereitung dafür noch einige Jahre länger brauche, sonst werde es den Krieg verlieren. Generalstabschef Beck hatte sogar versucht, die Generäle zum kollektiven Rücktritt zu veranlassen, sollte Hitler an seinen Plänen für einen baldigen Krieg festhalten. Die Bevölkerung Deutschlands war ohnehin gegen einen Krieg, wie die Berliner an einem von Hitler abgenommenen Truppenvorbeimarsch am 27. September 1938, zwei Tage vor der Münchener Konferenz ("Sudetekrise"),  durch ihre Abwesenheit, das sich Verdrücken hinter Häuser oder mit eisernen Mienen jeden Beifall unterlassend, bewiesen. Der in Berlin stationierte berühmte amerikanische Journalist William J. Shirer schrieb darüber: "Dies war die eindrücklichste Anti-Kriegskundgebung​​, die ich je gesehen habe". Hitler sagte dazu, "Mit einem solchen Volk kann ich noch keinen Krieg führen". Im November 1938 wies er an einer geheimen Tagung die Journalisten an, Nachrichten über Ereignisse in anderen Ländern so zu formulieren, dass das Volk selber fordere, darauf mit Gewalt zu reagieren. (Unsere heutigen "Leit"-Medien bauen ja Russland nach einem ähnlichen Muster als Feind auf.).

Generalstabsch​​ef Beck trat am 18. August 1938 - vor der Sudetenkrise - aus Protest gegen den von Hitler gewollten baldigen Kriegsanfang zurück. Er blieb Verschörer. Sein Nachfolger wurde Franz Halder, der bald zum Generalobersten befördert wurde. Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch wurde Oberbefehlshaber, da Hitler neben zahlreichen abgesetzten Generälen, die gegen seine Pläne waren, auch dessen Vorgänger Fritsch zum Rücktritt gezwungen hatte. Hitler hatte sich schon 1935 zum Obersten Befehlshaber der Wehrmacht ernannt. Die Münchner Konferenz zur "Sudetenkrise" (Deutschland, Italien, Grossbritannien, Frankreich) fand ohne die betroffene Tschechoslowakei vom 29.bis 30. September 1938 statt.  Hitler hatte nicht mit der Kapitulation der Westmächte gerechnet und der Wehrmachtsführung vor seiner Abreise angekündigt, nach Rückkehr von München der Tschechoslowakei den Krieg zu erklären und das Sudentenland zu übernehmen. Halder, der gegen jeden Krieg mit England war und mit dessen Eingreifen im Kriegsfall rechnete, beschloss mit Brauchitsch, Hitler nach der Rückkehr von der Konferenz verhaften zu lassen. (Nach anderen Quellen war er über diese Absicht der Generäle informiert, aber meldete es nicht). Emissäre der Verschwörer gingen sogar nach England und Frankreich, um deren Haltung Hitler gegenüber zu ändern und sie als Unterstützer der Verschörer zu gewinnen. Vergeblich. Die Premierminister Chamberlain (GB) und Daladier (F) kapitulierten vor Hitler, erlaubten ihm die Zerschlagung der Tschechoslowakei und machten ihn damit zum Triumphator. Dessen Verhaftung war innenpolitisch unmöglich geworden. Das Einknicken Frank-reichs vor Hitler war besonders niederträchtig, war es doch vertraglich verpflichtet, der Tsche-choslowakei beizustehen. Die total demoralisierte französische Armee verlor dann 1940 innert weniger Wochen den Krieg und schuf das Märchen von der erdrückenden deutschen Übermacht, um Vorwürfe und Hohn abzuwenden. Wären die Westmächte hart geblieben, wäre der 2. Weltkrieg wahrscheinlich verhindert worden. Halder versuchte mit andern Generälen nochmals kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges Widerstand zu leisten, gab dann aber auf und widmete sich sehr erfolgreich nur noch seiner militärischen Aufgabe. Er plante die anfänglichen grossen deutschen Siege, bis er 1942 von Hitler entlassen wurde, weil er gegen den Abzug von Truppen von anderen Fronten für den Angriff auf Stalingrad war.

Aber die Geschichte endet nicht hier. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler, führte die GESTAPO, die Geheime Staatspolizei, zahlreiche Folterverhöre unter verdächtigten hohen Offizieren, Beamten und Bürgern durch. Dabei kam auch die Verschwörung Halders von 1938 (oder sein Wissen darüber) zur Kenntnis Hitlers. Halder wurde mit Frau und einer Tochter verhaftet, kam ins Konzentrationslager Flössenburg, wurde dann ins KZ Dachau verlegt, musste vor den rasch vorrückenden Alliierten weg ins Tirol verlegt werden und wurde dort von den Alliierten befreit, bevor er hingerichtet werden konnte. Im Nürnberger Kriegsverbrecherproze​​ss war er Zeuge der Anklage.

Er hatte mehr Glück als 138 höchste Offiziere und zivile Verschwörer, darunter 2 Generalfeld-marschäll​​e, 1 Admiral, 19 Generalobersten bis Generalleutnants, 26 Oberste usw. und zahlreiche höchste Beamten des Regimes (z.B. 1 Reichsminister, der Chef des Reichskriminalamtes, Staats-sekretäre, Regierungspräsidenten​​, Diplomaten usw.), die als Verschwörer zu Tode verurteilt und auf Befehlt Hitlers an den Füssen an Fleischerhaken aufgehängt wurden. Hitler liess ihren deshalb langen Todeskampf filmen. Beck "durfte" sich erschiessen, der von den Nazis zum "Wüstenfuchs" aufgebaute, sehr popuäre Generalfeldmarschall Rommel durfte sich mit einer von der Polizei gelieferten Giftpille umbringen. Er hatte nicht an der Verschörung von 1944 teilgenommen, war aber informiert und meldete es nicht. Sein Tod wurde mit einem Autounfall begründet. Als letzter wurde wenige Tage vor der Kapitulation im Mai 1945, Admiral Wilhelm Canaris, der Chef der deutschen Abwehr (Geheimdienst) von 1935 bis 1944 im Konzentrationslager Flössenburg wegen Hochverrats gehängt. Er war 1939 wegen des Krieges Hitlergegner geworden. Er hatte die Verschwörer immer wieder unterstützt, z.B. im Winter 1942 einen Sprengkörper als Cognacflasche getarnt für einen Flug Hitlers an die Ostfront geliefert. Im eiskalten Gepäckabteil des Flugzeuges fror der Zünder ein.  Viele nicht aufgedeckte Verschwörer unter höchsten Offizieren erschossen sich, weil sie fürchteten, sollten sie doch verhaftet werden, in den Folterverhören ihre Mitver-schwörer zu verraten. So Generalmajor Henning Tresckow. Als sein Tod bekannt wurde, teilten die Medien mit, er sei an der Ostfront den Heldentod gestorben. Dann fand die GESTAPO heraus, dass er bei den Verschwörern mitgemacht hatte. Sein Leichnam wurde aus dem Grab geholt, verbrannt und die Asche verteilt, wie die aller anderen Verschwörer. Seine Frau kam ins Gefängnis.

Wir müssen auch noch einen Schweizer unter den ersten gescheiterten Hitler Attentäter ehrend erwähnen, den Neuenburger Theologiestudenten Maurice Bavaud. Er reiste 1938 nach Deutschland, gab sich als glühender Nazi aus, um mit seiner Pistole an Hitler herangelassen zu werden, reiste diesem bis Berchtesgaden nach, kam in München in seine Nähe. Aber alle seine Versuche scheiterten. Er wurde gefasst und nach jahrelanger Gefangenschaft am 19. Mai 1941 in Berlin geköpft.

Für uns heutigen Schweizer ist noch interessant, dass Generaloberst Halder Anfang 1940 abklärte, ob ein Angriff Deutschlands auf Frankreich durch die Schweiz, oder umgekehrt ein derartiger französischer Angriff auf Deutschland Aussicht auf Erfolg habe. Er kam wegen der Schweizer Armee und dem schwierigen Gelände zu einem negativen, bzw. für uns positiven Schluss, d.h. dass eine solche Operation keine Aussicht auf Erfolg habe. In sein privates Kriegstagebuch schrieb er aber am 26. März 1940 noch wörtlich: "Die Umgehung durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit". Heute wird der Generalstab jeder bedeutenden Macht (z.B. USA, Russland) im Rahmen seiner routinemässigen Kriegsplanungen bei seiner Beurteilung der Schweizer Landesverteidigung zum Schluss kommen: "Die Übernahme der unverteidigten Schweiz ist vorzubereiten". Keine künftige Kriegsparei will ihrem Feind unsere Alpen- und Ost-Westtransversalen​​, Flugplätze, das Territorium, die Wirtschaft überlassen.  Unser Volk will das so.


Kommentare von Lesern zum Artikel

[ Neuen Kommentar verfassen ]

80%
(5 Stimmen)
Urs Scheiwiller sagte Vor 6 Tagen

Nein Herr Hottinger, Herr Zoller ist kein Troll. Wäre er einer, wären Sie selbst auch einer, denn Sie provozieren hier ja auch fast täglich. Wer garantiert uns, dass Sie wirklich Hottinger heissen. Jeder kann ein Foto klauen und sich bei Vimentis anmelden. Ich wäre da etwas vorsichtiger in der Beurteilung und Beschimpfung von Leuten, die eine andere Meinung vertreten als Sie selber. Halten Sie sich besser an die von Ihnen so oft zitierten Vimentisregeln.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

83%
(6 Stimmen)
jan eberhart sagte Vor 6 Tagen

Dazu sei gesagt, das sich breiter Widerstand auch dann nicht bildete, als klar war, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist.

In aristokratischen Offizierskreisen wurde der Widerstand erst ab Stalingard grösser.

Letztlich​ war das Stauffenberg-Attentat​ eine Verzweiflungstat und eine Tat aus der Ehre heraus. Weder hatte man die Mehrheit in der Armee oder in der Bevölkerung auf seiner Seite. Ein Gelingen war selbst im besten Falle nur in der geringen Wahrscheinlichkeit. Wenn Hilter gestorben wäre, hätte jemand anderes die Führung übernehmen können.

Ein weiteres beliebtes Feindbild der heutigen Zeit ist der Iran, zu sehen an der Anti-Iran-Konferenz in Polen.

Dabei sind die Saudis und die anderen Sunniten selber nicht sehr demokratisch und setzten selber auf zweifelhafte Methoden. Der Jemen-Krieg ist ein deutlicher Misserfolg. Der hofierte MBS ist selber ein blutiger Diktator. Der IS ist eindeutig sunnistisch und von Saudi-Arabien beeinflusst.

1953 wurde von der CIA orchestriert ein Putsch organisiert im Iran und der Schah ins Amt gesetzt. Auch Lateinamerika hat Putsche von der CIA organisiert.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



40%
(10 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte Vor 7 Tagen

@Neuer Troll "Bruno Zoller", feige, hinterhältig ohne persönliches Profil bei Vimentis wieder unterwegs, ein V-Forums-Verstoss.


​Die gesuchte Person wurde nicht gefunden oder hat kein Blog bei Vimentis.

An ALLE Vimentis-Forumsteilne​​​​hmer/Innen

Trol​l Gift verspritzend mit dem einzigen Zweck,

UNFRIEDEN ZU STIFTEN, EINE SACHLICHE DISKUSSION UNTER DEN VIMENTIS-FORUMSTEILNE​​​​​HMERN AKTIV ZU VERHINDERN.

Nochma​​​​​ls​:​​ Was ist ein Troll,

Trolle – Männchen oder Weibchen – sie stören absichtlich Gespräche innerhalb einer Online-Community. Persönliche Provokationen sind ihr Ziel, sie sind in der Regel unterschwellig, hinterhältig und beachten meistens sogar die rote Linie, welche keine strafrechtliche Konsequenzen auslöst. Auf diese Weise vermeiden oder verzögern Trolle auch ihren Ausschluss aus administrierten Foren.

Nach Judith Donath ist das Trollen für den Autor ein DIABOLISCH BÖSES SPIEL, in welchem das einzige Ziel, die Provokation von möglichst erbosten, unsachlichen Antworten ist.

Trolle sind meisten Studenten/Innen, noch recht unerfahren von des Lebens Ernsthaftigkeit, den Realitäten, also keinesfalls aus reiner individueller Bosheit, verdienen sie halt sich ein willkommenes Zubrot damit.

Am besten (falls möglich) einfach immer völlig ignorieren, dann sprechen Trolle bald ausschliesslich nur noch mit sich selber, und verschwinden mit der Zeit dann von alleine in der Dunkelheit, wo sie sich am wohlsten fühlen.

An alle Beschimpften, dümmlich Angemachten, Gereizten:

Einem​ fortschrittlichen Geist, den häufige Kritik entmutigte, sagte der Meister;

"Lass dich nicht von dem, was der Kritiker sagt, niederdrücken.
Noch​ nie wurde zu Ehren eines Kritikers ein Denkmal errichtet,
wohl aber für Kritisierte".



Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

42%
(12 Stimmen)
Bruno Zoller sagte Vor 8 Tagen

Herr Frick

Wie immer ein hochinteressanter, informativer Artikel, besten Dank dafür.
Zu Ihrem letzten Abschnitt eine Frage:

Was würde es kosten, die Schweizer Armee so hochzurüsten, damit sie sich erfolgreich gegen die Militärmacht von Russland, USA, China etc. verteidigen könnte?
Ich glaube dies würde uns eine Stange Geld kosten, welche im Hinblick auf das geringe Risiko einer Kriegsbeteiligung in der Schweiz unverhältnismässig hoch ausfallen würde, nur um dann das Ziel trotzdem nicht annähernd erreichen zu können. Ich lasse mich gerne korrigieren.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

Seite 1 von 1

Neuen Kommentar verfassen

Sie müssen als User, Newsletter-Abonnent oder Gönner von Vimentis oder bei Facebook registriert sein, um auf diese Seite zugreifen zu können. Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich kostenlos:

Auf Vimentis direkt einloggen..
 
 ... oder mit Ihrem Facebook-Account
 
E-Mailadresse:
Passwort:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?