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Landschaft im Wandel

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Fotovergleiche un­se­rer Land­schaft über Jahr­zehnte fas­zi­nie­ren. Ge­rade des­halb, weil der Wan­del zwar täglich, aber schlei­chend voran schrei­tet und des­halb über kurze Zeit kaum auffällt. Der Land­schafts­wan­del do­ku­men­tiert das Bevölkerungswachstum,​ den Wirt­schafts­wan­del – von der Agrar­ge­sell­schaft über die In­dus­trie- zur Dienst­leis­tungs­ge­​sell­schaft – aber auch den Wer­te­wan­del in un­se­rer Ge­sell­schaft eindrücklich. Der ste­tig stei­gende Wohl­stand ist gleich­zei­tig Folge und Ur­sa­che für die veränderte Nut­zung un­se­res Le­bens­rau­mes, der zu­gleich auch unser "Wirt­schafts­raum" ist. Der Bild­ver­gleich zeigt dies eindrücklich. Ab­ge­bil­det ist ein Teil von Bachenbülach, mit Blick Rich­tung Diels­dorf und Lägern. Die Bedürfnisse und die Nach­frage nach Mobilität, nach Wohn­raum, Pro­duk­ti­ons- und Verkaufsflächen, Sport- und Erholungsräumen stei­gen und ändern sich un­auf­halt­sam. Die zur Verfügung ste­hende Fläche hin­ge­gen bleibt gleich! Bis heute führt das dazu, dass Land­wirt­schafts­lan​d an­de­ren Nut­zungs­for­men zugeführt wird.

Nutzungskonflikte

Eine vorausschauende Raumplanung regelt den haushälterischen Umgang mit dem limitierten Gut unseres Lebensraumes und verhindert oder begrenzt zumindest Nutzungskonflikte, denn nicht immer herrscht Einigkeit über die Art der Raumnutzung. So gilt es in diesem Spannungsfeld laufend sehr schwierige Entscheide zu fällen, denn gewisse Nutzungsformen schliessen sich gegenseitig aus, wie folgende Beispiele zeigen: Bauland versus Landwirtschaftsland! Verbesserte Mobilität versus Lärmbelastung von Wohngebieten! Neubau von Strassen versus Schutz des Landschaftsbildes! Weil die heutigen Entscheide in der Raumplanung nicht zuletzt die kommenden Generationen betreffen, ist Weitsicht und Verantwortungsbewusst​sein gefragt. Es gilt, die Raumnutzung clever zu organisieren, um möglichst vielen Ansprüchen der Gesellschaft an unseren Lebensraum gerecht zu werden. Wie komplex sich Entscheide auswirken können, zeigt das folgende Beispiel, das auf viele Unterländer Gemeinden zutrifft: Einerseits mag man die verdichtete Bauweise – ein politischer Entscheid– und damit das Überbauen der letzten Grünflächen in bestehenden Wohnzonen bedauern. Andererseits wird dadurch aber Kulturland geschont und der Zersiedelung der Landschaft Einhalt geboten. Vielleicht bringt die mit dem verdichteten Bauen verbundene, meist unpopuläre, hohe Besiedlungsdichte jedoch den Einwohnern eine zusätzliche, längst erwünschte Buslinie. Denn stark ausgebauter, öffentlicher Verkehr ist nur in dicht besiedelten Regionen sinnvoll und bezahlbar.

Herausfor​derungen damals

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Jahr 1916 an der Stelle des Fotografen und blicken in die naturnahe Landschaft, umgeben von absoluter Ruhe. Die scheinbare Idylle auf dem Bild von 1916 trügt allerdings, das Unterland war damals ein rückständiger Wirtschaftsraum. Damals machte sich die Bevölkerung Gedanken und Sorgen um die Abgeschiedenheit des ländlichen Zürcher Unterlandes, um die fehlenden Verbindungen zur Stadt Zürich, wo die aufkommende Industrialisierung neue Arbeitsplätze und Wohlstand bot. Ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung musste in die aufkommenden Industriezentren Zürich und Winterthur abwandern, weil die aufkommende Mechanisierung in der Landwirtschaft Arbeitsplätze vernichtete. "Pendeln" war damals noch nicht möglich und wenn schon, dann nur zu Fuss!

Herausforderun​gen heute

Heute ist die Mobilität hervorragend, die Anbindung des Zürcher Unterlandes sogar international gewährleistet. Der Flughafen ist Teil unserer "Erfolgsstory" bezüglich Wohlstand und Lebensqualität im Zürcher Unterland. Trotzdem stehen wir vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen: Der zukünftige Betrieb des Flughafens und die damit verbundene Lärmbelastung, die Umfahrungsstrasse von Eglisau, die Endlagerung von atomarem Abfall im Zürcher Unterland, eine verstärkte Nachfrage nach Wohnraum, der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs und vieles mehr. Herausforderungen, die nur in regionaler, kantonaler und nationaler Zusammenarbeit lösbar sind.

Meine Herausforderung

Als Mitglied des Gemeinderates von Bachenbülach, als Kantonsratskandidat und ebenso als Zürcher Unterländer, bin ich mit dem Phaenomen des Landschafts- und Raumnutzungswandels konfrontiert. Die Bedürfnisse an den Lebensraum haben sich gewandelt und werden sich weiter wandeln. Es gilt zukunftsgerichtet zu planen und zu entscheiden. Eine Herausforderung, die mit Weitsicht, Augenmass und solidarischem Handeln anzugehen ist. Politische Entscheide, die die Raumnutzung betreffen, bestimmen zu einem wichtigen Teil die heutige und zukünftige Lebensqualität in unserer Region. Ich werde mich, unter Beachtung aller Aspekte und Bedürfnisse, gerne in diese Entscheide und deren Umsetzung einbringen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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30%
(10 Stimmen)
Dany Schweizer sagte November 2014

Verdichten ist doch das Schlagwort.

Also Bäume, Seen, Gras verdichten.

Oder man gehen in den Laden: "Hallo - ich hätte gerne eine Flasche Gras und 2x Seewasser, aber bitte packen Sie mir es nicht ein, ich möchte nicht die letzten Bäume noch als Verpackungspapier abholzen lassen."


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42%
(12 Stimmen)
Franz Krähenbühl parteifrei sagte November 2014

Man stelle sich das Bildchen von 1916 in Farbe vor:
Im Hintergrund goldene Kornfelder.
Im Vordergrund eine Heublumenwiese mit Obstgärten.
Alles durchbrochen mit wunderschönem frischgrünem Weideland und Mischwälder und Sträucher.
EIN PARADIES

Man vergleiche mit jenem Bildchen von 1987:
Graue Betonklötze und ein armseliges Birkli.


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45%
(11 Stimmen)
- - sagte November 2014

NR Beat Flach GLP hat bereits 2013 eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht:

"Eine​ klare Mehrheit des Schweizer Stimmvolks hat sich am 3. März 2013 für das revidierte Raumplanungsgesetz (RPG) ausgesprochen. Artikel 38a des revidierten RPG verlangt, dass die Kantone innert fünf Jahren ihre Richtpläne an die neuen Anforderungen bezüglich der Dimensionierung der Bauzonen anpassen. Bis zur Genehmigung der Richtplananpassungen durch den Bundesrat dürfen in den Kantonen die Flächen der rechtskräftig ausgeschiedenen Bauzonen insgesamt nicht vergrössert werden. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft, und es mehren sich die Anzeichen, dass diese Zwischenphase vielenorts für zusätzliche Einzonungen genutzt wird, die nicht den beschlossenen Kriterien entsprechen."


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50%
(14 Stimmen)
Lars von Lima sagte November 2014

Herr Wild, ich habe den Eindruck, Sie sehen den Wald vor lauter Siedlungsfläche nicht!


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45%
(11 Stimmen)
- - sagte November 2014

Die Wälder? Und das ist dann kein "Blabla ohne griffige Zukunftsaussagen", Herr von Limaa?

Zusätzl​ich​​ zur überbauten Siedlungsfläche, die noch durch Verdichtung qualitativ verbessert werden kann, bestehen in der Schweiz Baulandreserven von 30000 bis 40000 Hektaren für ein bis zwei Millionen Menschen. Diese Einzonungen reichen länger als 15 Jahre!

Das seit 1980 im Bundesrecht verankerte Raumplanungsgesetz schreibt nämlich explizit eine 15-Jahres-Regel vor, das heisst, das Bauland höchstens für einen Bedarf von 15 Jahren in Reserve gehalten werden darf.

Gegen diese Regel wurde aber in den letzten Jahren in manchen Kantonen massiv verstossen, ohne dass dies vom Bund sanktioniert wird. So besitzen einige Kantone und Gemeinden Baulandreserven, die dem doppelten bis vierfachen des tatsächlichen Bedarfs der nächsten 15 Jahre entsprechen.

Diese​​​ unerlaubten Reserven müssen durch die Kantone sogar rückgezont werden.


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63%
(16 Stimmen)
Alex Schneider sagte November 2014

Leider hilft uns das revidierte Raumplanungsgesetz auch nicht weiter. Im Gegenteil: Jetzt müssen alle Kantone wegen der übermässigen Zuwanderung zusätzliches Siedlungsgebiet in ihrem kantonalen Richtplan ausscheiden. Damit wird der Einzonungsdruck auf die Gemeinden noch erhöht!


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44%
(16 Stimmen)
Lars von Lima sagte November 2014

Langes Bla bla ohne griffige Zukunftsaussagen. Bei > 80000 Mengen in den nächsten drei Jahren werden dann die unterländer Wälder dran kommen. Danke haben wir darüber gesprochen.


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