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Sollen Kitas blaue Flecken bei der KESB melden?

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Bezug auf das Votum Schwan­der in fol­gen­dem Bericht: 

https://www.​​​​​​nau.ch/politik/d​e​b​a​t​t​e-um-auswei​tu​ng​-d​es​-k​indess​chu​tze​s-i​m-n​ati​o​nalr​at-6​5270​168

Hier​​ geht es offenbar nicht nur um harmlose blaue Flecken, denn die gehören zur Kindheit, wie das Amen in der Kirche. Ein gebrochener Arm(*) ist immer noch kein Grund, einem Elternteil Missbrauch vorzuwerfen, es sind triviale Beispiele. Es geht um konkrete(*) Gefährdungen und die müssen nachgewiesen werden wie auch andere strafbare Handlungen Beweise erfordern. 

(*) konkret bedeutet zum Beispiel, wenn das Kind sagt "meine Mutter/Vater macht mir weh bzw. hat mich geschlagen". Babys und Kleinkinder können das vielleicht noch nicht so gut artikulieren und ein gebrochener Arm bei einem Kleinkind ist schon etwas ungewöhnlich. Verletzungen von Kleinkindern äussern sich eher durch Beulen am Kopf oder Schürfungen am Knie oder Ellenbogen durch Stürzen. Regelmässig blaue  Flecken bedürfen daher schon einer genaueren Beobachtung durch das Kitapersonal. In der Beobachtung der Eltern, wie sie mit dem Kind allgemein umgehen, wie das Kind auf seine Eltern reagiert und wie der Umgangston mit dem Kind klingt kann man normalerweise mit der Intuition und mit gesundem Menschenverstand erkennen, ob Kinder misshandelt werden. 

Nach Art. 448 Abs. 2 können Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Hebammen und Entbindungspfleger, Chiropraktorinnen und Chiropraktoren,Psycho​​​​​​​loginnen und Psychologen sowie ihre Hilfspersonen nur dann zur Mitwirkung verpflichtet werden, wenn die geheimnisberechtigte Person sie dazu ermächtigt hat oder die vorgesetzte Behörde oder die Aufsichtsbehörde sie auf eigenes Gesuch oder auf Gesuch der Erwachsenenschutzbehö​​​​​​​rde vom Berufsgeheimnis entbunden hat.


Auch wenn die betroffene Person, das Kind oder dessen Eltern nicht mit den Wahrnehmungen der Fachperson einig sind, bedingt also ein Verdacht nach der neuen Kinderschutzvorlage (Geschäft 15.033) zwingend eine Meldung an die KESB. 

Wahrnehmungen sind sehr subjektiv und es darf nicht passieren, dass Fachpersonen in der sozialen Arbeit eine übermächtige Rolle einnehmen können. Die Gefahr des Irrtums ist ebenfalls mächtig gross und deshalb dient eine routinemässige Verdachtssabklärung nicht dem Wohl und dem Schutz einer betroffenen Person oder eines Kindes!

Das Wohl einer betroffenen Person und eines Kindes wird nämlich auch dann gefährdet, wenn das Interesse und der Schutz des Gefährdungsmelders höher gewichtet wird. An die Meldepflicht ist nämlich ein Straftatbestand bei Meldepflichtverletzun​​​​​​​g geknüpft und so will sich jede meldepflichtige Fachperson, die einen Hinweis zu verantworten hat auf der sicheren Seite wiegen und lieber einmal eine Meldung zuviel machen als selber das Risiko eingehen, strafrechtich belangt zu werden. DAS KANN NICHT IM WOHL EINER HILFSBEDÜRFTIGTEN PERSON LIEGEN, wenn ein vermeintlicher Schutz aufgezwängt werden soll. Eine Anhörung und Einvernahme kann sowohl für das Kind wie auch für die Eltern eine verhältnismässige Belastung darstellen und ihren Ruf und Ehre schädigen! Die Folge davon wäre, dass das Kind sich schämen muss, weil so eine seelische Belastung nicht spurlos an ihm vorbeizieht und womöglich auch im schulischen Umfeld so ein Verdachtsdelikt nicht im Verborgenen bleibt. Wie würde sich das Kind fühlen, wenn seine Schulkameraden auf dem Pausenhof fragen: "was haben Deine Eltern mit dir gemacht"?
 
Wenn konkrete Hinweise für Misshandlungen vorliegen und diese offensichtlich sind, dann ist Handeln angesagt. Es darf nicht sein, dass jeder Verdacht ein Routineverfahren auslöst und im Gegenzug strafbaren Handlungen eines Beistandes wie zum Beispiel die Sorgfaltspflichtverle​​​​​​​tzung, die ungetreue Geschäftsbesorgung und andere strafbaren Verdachtstatbestände von der Aufsichtsbehörde und von den Gerichten als VERSEHEN entschuldigt werden, nachdem die Anzeiger/Beschwerdefü​​​​​​​hrer zuerst eine Unsumme für die Verfahrenskosten berappen müssen.

Dieses Ungleichwicht in der Handhabung der Beweislast führt mit der fehlenden Waffengleichheit zu  unverhältnismässigen Verfahren und letztendlich bleibt auch die Frage unbeantwortet, WER DIE KOSTEN FÜR DIE ABKLÄRUNGEN TRÄGT, wenn ein vermeintlicher Verdacht sich als Unwahrheit offenbart?



Bitte denkt daran, wenn Eltern in ANGST leben müssen, alles PERFEKT machen  zu müssen, dann ZWINGT der Staat seine Bürger in eine KORSETT. Ich appelliere an die Vernunft und den gesunden Menschenverstand des ausgebildeten Fachpersonals. 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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25%
(4 Stimmen)
Hans Knall sagte Vor 23 Stunden

Ausgeweitet soll ja eigentlich nicht wirklich der „Kinderschutz“ werden, sondern nur die Kompetenzen der Staatsbehörde KESB sich in die Privatsphäre der Familien einzumischen und bei „Überprüfungen“ deren Zusammenlebensvariant​e zu beurteilen, zu massregeln, zu regulieren.

Für Viele auch schon nicht mehr überraschend, setzt die „Ausweitung“ der Obrigkeitskompetenzen​ nicht dort an, wo tatsächlich die meisten Kinderquäler-Fälle passieren: Zum Beispiel in Muslimischen Familien wo Mädchen von klein an auf den Besitzstatus für Männer sowie Buben zum religiösen Eiferer und künftig den Nichtgläubigen Überlegenen getrimmt werden. Die findet man zudem eher selten in Kinderkrippen oder im Schwimmunterricht, wo „blaue Flecken“ festgestellt werden könnten.

Während es aufgrund reiner Vermutungen in Schweizer Familien bereits leicht zu drastischen Behördenmassnahmen wie Kindeswegnahme oder Entmündigungen kommen kann, werden teilweise auch unserer Zivilisation widersprechende Verhaltensweisen in muslimischen, tamilischen oder animistisch-afrikanis​chen Familien als „zur Kultur“ oder „zur Religion“ gehörend administriert.

Was​ ist der wahre Grund dieser permanenten Einschränkung der Selbstbestimmungsrech​te der Schweizer Bürger bei gleichzeitiger Erhöhung des Drucks auf diese, dem eigenen Verständnis entgegengesetzte Verhaltensweisen zu tolerieren oder gar als „lebensnotwendiges“ Ausleben der heimatlichen „Kultur“ (vor der die meisten behaupten geflohen zu sein) zu verstehen?


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33%
(3 Stimmen)
Yvonne Bloch sagte Vor einem Tag

Guten Abend Herr Müller

Dieser Beitrag basiert eigentlich auf die von Ihnen benannten Artikel aus dem Zivilgesetzbuch (Art. 314 ff) und Strafgesetzbuch (Art. 443) und die Debatten zu den Differenzen sind geführt worden. Demnach ist der Kinderschutz ausgedehnt worden und eine Meldung an die Schutzbehörde erfolgt, wenn es den Anschein macht, dass eine mutmassliche Gefährdung des Kindswohl vorliegen könnte. Mit anderen Worten: Eine abstrakte Gefährdung des Kindswohls, ohne Vorliegen von konkreten Hinweisen, erfordert eine Meldung an die KESB. Nun, dazu gibt es nicht mehr viel zu sagen, ausser dass man den Kindererziehung nicht mit der Hundehaltung vergleichen soll, obschon beides beseelte Wesen sind, die auf eine Trennung bzw. auf einen Verlust mit seelischem Schmerz reagieren.

Die Gefahr in dieser Formulierung liegt aus meiner Erfahrung darin, dass das abstrakte Gefährdungspotential dazu führen kann, dass ein Entscheid einer Behörde dazu führen kann, dass die konkrete Gefährdung übersehen wird.

Ein Beispiel:

Wenn zwei Parteien um das Besuchsrecht des Kindes streiten und die Behörde befindet, dass die Mutter das Kind abstrakt gefährdet, weil sie den Kontakt (aufgrund konkreter Hinweise) zum Vater nicht unterstützen kann.

Szenario 1:

Die Mutter will sich rächen und verweigert den Besuchskontakt zum Kindsvater, der sich vielleicht immer vorbildlich als Vater verhalten hat. Dann würden jedoch keine konkreten Hinweise für eine Kindswohlgefährdung vorliegen und somit wäre das Kind abstrakt gefährdet, weil es von der Mutter womöglich negativ beeinflusst wird.

Szenario 2:

Die Mutter hat keinen Grund sich zu rächen, sondern sie möchte den Schutz des Kindes (aufgrund konkreter Hinweise einer Kindswohlgefährdung) gewährleisten und fordert die entsprechenden Abklärungen (neutrales Sachverständigengutac​hten) und allenfalls entsprechende Massnahmen im Rahmen einer Besuchsbegleitung. Die konkreten Hinweise können Unerfahrenheit, Alkohol- oder Drogensucht, Wahrnehmungsstörungen​ im Sinne einer bekannten Psychischen Erkrankung, Neigung zu Pädophilie oder ein lasterhafter Lebenswandel sein (Aufzählung nicht abschliessend).

Hier wäre es doch falsch, wenn die KESB die abstrakte Gefährdung mit der konkreten Gefährdung des Kindswohl verwechseln würde und das Kind aus einem Verfahrensirrtum einer Gefahr aussetzen würde?


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100%
(3 Stimmen)
Alex Müller sagte Vor einem Tag

Es gibt in der Schweiz das Zivilgesetzbuch > ZGB. Die Artikel 296 - 317 geben Auskunft über die Fragen, die hier diskutiert werden. Wenn es aber um strafbare Handlungen an Kindern geht, gibt das Strafgesetzbuch StGB Auskunft.


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83%
(6 Stimmen)
Inge Votava sagte Vor 5 Tagen

Ich habe selbst keine Kinder, aber ich habe seinerzeit mit meinem Hund eine Hundeschule besucht. Den Hund zu schlagen, auch wenn er sich noch so unmöglich benommen hatte, war ein "no go". Denn das unmögliche Benehmen sei die Schuld des Menschen, wurde uns gesagt. Und ich denke, das ist bei Kindern auch so. Eltern, die ihre Kinder schlagen, sind unfähig diese zu erziehen.


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60%
(5 Stimmen)
Emil Huber sagte Vor 5 Tagen

Früher hiess die KESB wohl Vormundschaftsbehörde​.
Auch diese Behörde hat wohl manches Leben zerstört (vielleicht auch manches gerettet, will ich nicht ausschliessen).
Was mich stört, wenn bei irgendwelchen Behörden irgendwelche Missbräuche oder Fehlentscheide stattfinden sieht man immer nur ein Allheilmittel: Es heisst bessere Ausbildung der Angestellten. So etwas wie charakterliche Eigenschaften welche beruflich geeignet wären scheinen überhaupt nicht zu existieren?

Es soll alles nach Paragraphen, rational, objektiv und administrativ über die Bühne gehen.
Für Bauch- und subjektive Entscheide wie das "Herz am rechten Fleck haben" scheint kein Platz zu sein?
Wenn man nur mit solchen Massstäben arbeitet muss man sich fragen, ob es dann überhaupt noch Menschen sein müssen welche beim KESB, Sozialamt etc. arbeiten?

Da könnte man genauso gut Roboter mit Algorithmen die Entscheide fällen lassen, immerhin wären das dann keine Sadisten oder Machtmenschen.



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43%
(7 Stimmen)
Elsi D. Stutz sagte Vor 7 Tagen

Frau Bloch,
Ich würde mir an Ihrer Stelle mal überlegen wie schlau es ist, das Bild Ihrer Tochter hier zu veröffentlichen. (Oder auf Facebook, im Wathsapp Profil.)

Stichwort​: Persönlichkeitsrecht des Kindes! Nur so von Wegen, Missbrauch der elterlichen Gewalt.


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55%
(11 Stimmen)
Karlos Gutier sagte Vor 14 Tagen

Ich vermute mal, in der KESB tummeln sich staatsnahe Leute, in geschützten Arbeitsplätzen, die anderswo in der Privatwirtschaft wahrscheinlich nie einen Arbeitsplatz mit so überrissenem Lohn bekommen würden.
Ich bin sehr skeptisch gegenüber dieser Organisation, am besten man hat nie im Leben etwas mit denen zu tun.
Meine Jungs sind schon aus dem Alter, aber es könnte noch irgendwann zu einer ungerechtfertigten Entmündigung durch die KESB kommen, darum immer dieser Organisation aus dem Weg gehen !


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60%
(10 Stimmen)
jan eberhart sagte Vor 16 Tagen

Soll es in der Schweiz norwegische Verhältnisse geben? Eine Ohrfeige und das Kind/die Kinder landen für immer bei Pflegefamilien?

Si​nd wir schon beim Spitzelsystem, wo überall STASI-Agenten lauern?

Nein zur staatlichen Allmacht der KESB.


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