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Warum Zuwanderung nicht mehr gratis sein darf.

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„Unser grös­ster Feh­ler: Warum Zu­wan­de­rung nicht mehr gra­tis sein darf.

 

Seit Jahren berichtet die Regierung, die Zuwanderung gehe zurück. Tatsächlich aber ist sie immer noch die höchste Europas und nahm in diesem Jahr wieder zu.

Die Schweiz ist einer der attraktivsten Standorte weltweit. Infolge Personenfreizügigkeit​ können ihn EU-Bürger gleich wie Schweizer nutzen. Entsprechend wird er übernutzt. Regierung und Parlamentsmehrheit predigen stereotyp, die Personenfreizügigkeit​ steigere die Wirtschaftskraft der Schweiz und nütze allen. Sie ignorieren standhaft, dass die hohe Zuwanderung nur die Gesamtwirtschaft aufbläht, aber pro Kopf nichts bringt und riesige Folgekosten durch Landknappheit, Infrastrukturüberlast​ung, aufwendigere Energie- und Umweltpolitik sowie die flankierenden Massnahmen verursacht. Diese Folgekosten drücken unsere reale Lebensqualität längerfristig auf EU-Niveau. Deshalb lohnt es sich für Schweizer Normalbürger nicht mehr, für gute Standortbedingungen einzutreten. Wie nur konnten sich unsere ­Politiker so verrennen?

Für einige war die ­Wirkung der Personen­freizügigkei​t zu komplex. So erhöhen die Zusatzkosten für den ­Infrastrukturausbau zwar das Bruttoinlandprodukt, senken aber das reale verfügbare Einkommen pro Kopf. Zugleich scheinen manche Vorteile der Personenfreizügigkeit​ offensichtlich, sind aber nur Illusion. So lindert sie den Fachkräftemangel eben nicht. Sie bringt ein mehr oder ­weniger ausgeglichenes Anwachsen der Arbeitskräfte und Arbeitsplätze. Folglich ­besteht der Fachkräftemangel auch nach einem Jahrzehnt sehr hoher Zuwanderung ­unverändert fort.

Manch andere Politiker verfolgen Sonder­interessen. Die Personenfreizügigkeit​ bringt neben vielen Verlierern auch Gewinner. Gewinner ist, wer viel Bauland und Immobilien besitzt oder an der Kontrolle der flankierenden Massnahmen gut verdient, sprich die Gewerkschaften. Sodann profitieren viele wichtige Entscheidungsträger vom Gesamtwachstum auf Kosten der Allgemeinheit. Für viele Politiker heisst Zuwanderung schlicht: mehr Einwohner, mehr Steuer­einnahmen, ein grösseres Budget sowie mehr Einfluss und Bedeutung. Die Attraktivität fast aller politischer Ämter wächst mit der Einwohnerzahl. Ähnliches gilt für Manager von Dach­verbänden und Firmen in geschützten Branchen. Für sie heisst mehr Einwohner mehr Mitglieder, Kunden, Umsatz, Gewinn und Bonus. Viele Manager hätten ohne das Umsatzwachstum dank Zuwanderung und Bevölkerungswachstum kleinere oder keine Boni erhalten.

Was also tun? Zuwanderung darf nicht mehr gratis sein. Die Hauptgewinner der Zuwanderung sind die Zuwanderer selbst. Deshalb sollten sie einen finanziellen Beitrag leisten: eine Zuwanderungsabgabe. Das gäbe den Inländern wieder Anreize, für möglichst hohe Standort­attraktivitä​t und Offenheit einzustehen. Dafür brauchen wir jetzt keinen Rahmenvertrag mit der EU, sondern ehrliche Politik. Ein Teil der Einnahmen aus der Zuwanderungsabgabe sollte an die EU überwiesen werden. Dann würde sie schnell verstehen, dass das der ­richtige Ansatz ist.“(Prof. Reiner Eichenberger in der SonntagsZeitung vom 3.11.2018)


Kommentare von Lesern zum Artikel

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44%
(9 Stimmen)
Rudolf Oberli sagte Vor 8 Tagen

"Warum Zu­wan­de­rung nicht mehr gra­tis sein darf."

1) Diese Abgabe müssten die Arbeitgeber tragen. Ihre Erhebung wäre also ein Schuss ins eigene Knie. Da könnte man ebenso gut die Firmen direkt mit einer Zuwanderungssteuer belegen. Der Effekt wäre der gleiche und der bürokratische Aufwand vermutlich niedriger.

2) Die Höhe des Ausländerbestandes hängt nicht allein vom Ausmass der Zuwanderung, sondern auch vom Umfang der Rückwanderung ab, und dieser würde durch die Abgabe abnehmen. Sie fiele desto weniger ins Gewicht, je länger die Firma den Zuwanderer beschäftigen würde.

3) Der Vorschlag von Herrn Eichenberger ist rein politisch und durch keine Fakten belegt; er forscht als Staatsökonom nicht in diesem Bereich.

4) Noch eine Frage zum ©, Herr Schneider: Haben Sie von der NZZ und vom Verfasser (Herrn Sander) die Erlaubnis, diesen Artikel hier ganz zu publizieren?


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50%
(8 Stimmen)
Walter Wobmann sagte Vor 8 Tagen

Diese Zuwanderungsabgabe ist NICHT das Gelbe vom Ei!
Es ist ein neoliberaler Furz, der nur die Finanzkräftigen begünstigt. Dieselben Kreise wollen nämlich auch die direkte Demokratie in eine Plutokratie verwandeln: das heisst, dass nur noch diejenigen mit grossem Vermögen stimm- und wahlberechtigt wären (Zensuswahlrecht). Das wäre eine Entmachtung des breiten Volkes!

Die internationale Oligarchie des Geldes würde so dann die Macht gänzlich übernehmen und das Volk hätte dann nichts mehr zu sagen.
Und es könnten dann reiche Oelscheichs mit Petrodollars massenhaft Zuwanderung von Muslimen finanzieren und so die Islamisierung hier in Europa vorantreiben.

Nein, Zuwanderung muss beschränkt und eigenständig gesteuert werden, damit unser Land eben NICHT überfremdet und verschandelt wird.
Diesen neoliberalen Globalisten macht Ueberfremdung gar nicht aus, es sind KEINE Patrioten, welche die Schweiz mit ihren Eigenheiten erhalten wollen!
Sie würden Ueberfremdung und Uebervölkerung billigend in Kauf nehmen, wenn die Zuwanderer reiche Potentaten wären.

Da ist Ihr Vorschlag für ein Punktesystem (gemäss USA, Kanada, Australien, Neuseeland) der viel Bessere, als dieser neoliberale Furz von Eichenberger, Schwarz & Co., dem Sie NICHT hinterherweibeln sollten.


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58%
(12 Stimmen)
Emil Huber sagte Vor 14 Tagen

Wieso redet man bei der Zuwanderung immer nur von der EU, was ist denn mit den Zuwanderern aus nicht - EU Ländern, spielen die keine Rolle, zählen die nicht, brauchen die keine Infrastruktur, verursachen die mit ihren anderen Religionen / Kulturen und Mentalitäten keine Konflikte?
Wenn schon soll man hingehen und sagen, die Schweiz kann pro Jahr max. X-Personen verkraften.

Auch frage ich mich, warum sollen schon bereits dicht besiedelte Länder immer noch dichter besiedelt werden?
Es gäbe da sehr dünn besiedelte Länder, die könnten problemlos etwas Zuwanderung verkraften.
Aber wie Herr Schneider richtig schreibt, es gibt halt ein paar wenige Profiteure, der Grossteil der Bevölkerung hat nur mehr Konkurrenzkampf um Arbeit, Wohnung, Parkplätze, Waschtage etc. sowie immer mehr Regeln. Je dichter ein Land besiedelt ist desto mehr Regeln und Verbote braucht es eben.



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0%
(3 Stimmen)
Walter Wobmann sagte Vor 8 Tagen

Bravo Hr. Huber, ich kann Ihnen vollstens beipflichten.
Sie haben es kapiert.


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63%
(16 Stimmen)
Franz Krähenbühl parteifrei sagte Vor 14 Tagen

Prof. Eichenberger hat vor einigen Wochen etwas Aehnliches zum selben Thema ich der FuW geschrieben.
Ich finde es sehr gut und wichtig.

Hans-Wern​er Sinn, der berühmte Volswirschaftler vom ifo-Institut in Deutschland, ist derslben Meinung.
Er beschreibt das Problem deitailliert in seinem neuen Buch "Auf der Suche nach der Wahrheit".

Dieses Buch ist allerdings nicht ganz trivial. Für gewisse Leser wie Herr Bender, würde ich es eher nicht empfeheln.


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31%
(16 Stimmen)
Frank Wagner sagte Vor 14 Tagen

Der Personenfreizügigkeit​svertrag steht nicht allein, sondern im Paket mit weiteren Verträgen deren Nutzen man im Gesamtsaldo sehen muss. Natürlich könnte man sagen das Zuwanderung nicht gratis sein darf ... die EU würde dann wohl entgegnen das der erleichterte Zugang zum Binnenmarkt nicht gratis sein darf.

Das BIP pro Einwohner ist von 2002, dem Jahr in dem die bilateralen Verträge in Kraft traten, bis 2017 von CHF 64'059 auf CHF 79'104 gestiegen (Quelle: Bundesamt für Statistik). Und das trotz einer der schlimmsten Weltwirtschaftskrisen​ der jetzten Jahrzehnte mittendrin. Von "Wirtschaftswachstum nur absolut, aber nicht pro Kopf" kann also keine Rede sein.

Auch die Armutsquote ist gesunken, von 9.3% in 2007 auf 7.5% in 2016, die mediane Armutslücke von 0.8 auf 0.6.

Es ist also faktisch nicht richtig was Herr Schneider geschrieben hat.








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56%
(16 Stimmen)
Georg Stamm sagte Vor 14 Tagen

A. Schneider bringt es auf den Punkt: Die Wirtschaft wächst seit den knapp 15 Jahren der PFZ, aber nur absolut und nicht pro Kopf. Es ist ein quantitatives Wachstum, kein qualitatives. Und da unser Land nur etwa 25000 km2 bewohnbares Land aufweist, auf dem schon 8.4 Mio. Menschen leben, wird die Verbetonierung weitergehen bis zur Megastadt von Genf bis St. Gallen. Die allfällige Unterzeichnung des EU-Rahmenvertrags, aus wirtschaftlichen Zwängen, wird diese Entwicklung beschleunigen. Die Schweiz sitzt in der Falle ihres Erfolgs.


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44%
(16 Stimmen)
Urs Gassmann sagte Vor 14 Tagen

Das ist alles richtig, was Herr Schneider hier geschrieben hat. Doch mit der Zuwanderungsabgabe wird es Essig sein, denn die EU wird dies bestimmt als diskriminierend und somit als PFZ-widrig taxieren; der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird der Schweiz auferlegen, davon abzukehren. Dann kommt ja noch der Migrationspakt der UNO, den unser Bundesrat unterzeichnen will; wir werden dann also auch noch von der UNO zurechtgewiesen.


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