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Der Wert der Raumplanung

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Gemäss einer vor Mo­nats­frist veröffentlichten SR­G-Um­frage spre­chen sich knapp zwei Drit­tel der be­frag­ten Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer für die In­itia­tive zur Beschränkung des Zweit­woh­nungs­baus aus. Das hat nun auch Eco­no­mie­suisse auf­ge­schreckt. Der mächtigste Schwei­zer Wirt­schafts­ver­band​ gibt denn im Ta­ges­-­An­zei­ger vom 25. Fe­bruar un­um­wun­den zu, man habe die In­itia­tive von Franz We­ber, die am 11. März zur Ab­stim­mung ge­langt, schlicht unterschätzt.

 

Unterschätzt oder eventuell gering geschätzt? Man mag von der radikalen Begrenzung des Zweitwohnungsanteils auf 20% halten, was man will – eines wird mit der überraschend breiten Unterstützung des Volksbegehrens klar: im Volk macht sich ein zunehmendes Unbehagen breit gegenüber dem ungebremsten Verschleiss des wichtigsten Kapitals unseres Landes, des Bodens. Möglich, dass bei einigen Stimmbürgern auch ein gewisser «Neid der Besitzlosen» mitschwingt. Dennoch dürfte bei den meisten Pro-Stimmen die berechtigte Sorge um die Zukunft unseres einzigen, leider nicht vermehrbaren Rohstoffs, unserer schönen Landschaft, der Hauptgrund für die Zustimmung zur Stopp-Initiative sein.

 

Nun will sich Economiesuisse auch finanziell engagieren, was bedeutet, dass wohl mit grossem Geschütz aufgefahren wird. Bereits ist auch ein Komitee (angeblich von Bauunternehmern) aus dem Wallis mit ganzseitigen Inseraten aufgetreten, auf dem in bekannter grobschlächtiger Manier, wie sie eine gewisse Volkspartei pflegt, ein grimmiger Staatsbeamter mit Hammer und Sichel auf ein nettes Häuschen im Grünen einschlägt. Nein zur Franz-Weber-Initiativ​e sagt das Komitee zum Beispiel, weil Städter «ihren Traum vom Kauf eines Ferienhäuschens oder einer Ferienwohnung in den Alpen vergessen» könnten – wie wenn die meisten diesen Traum nicht schon längst begraben mussten, eben weil sie sich eine Zweitwohnung aufgrund der Bodenverknappung und der damit einhergehenden explodierenden Preise schon längst nicht mehr leisten können. Und es wird unverfroren damit gedroht, dass bei Annahme der Initiative ebendiese Städter aus dem Unterland für den wirtschaftlichen Ruin der Bergkantone aufkommen müssten. Gemäss dem Sittener Komitee droht nichts weniger als der «Tod der Freiheit und Eigenständigkeit!» Mit Verlaub: für wie blöd darf man besorgte Mitbürgerinnen und Mitbürger verkaufen?

 

Falls in den Köpfen vieler unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger tatsächlich ein – umweltbewusstes – Umdenken stattfindet, stehen die Chancen nicht schlecht, dass männiglich ebenso den Sinn des geplanten Mega-Bauprojekts namens BTS/OLS anzweifelt, umso mehr als auch da hektarenweise Boden unwiederbringlich zubetoniert wird zugunsten einer Verkehrsachse von mehr als zweifelhaftem Nutzen. Da wie dort werden hehre raumplanerische Grundsätze und Richtlinien beschwört, um sie bei nächster Gelegenheit aufgrund «höherem Interesse» (oder – wie im Falle der Zweitwohnungen – auf Druck von Interessengruppen wie der örtlichen Bau- und Immobilienwirtschaft)​ über Bord zu werfen.

 

Gut möglich, dass 2012 raumplanerisch ein Jahr der Weichenstellungen wird – kantonal wie national. Allmählich scheinen den Leuten die Augen aufzugehen für die Einzigartigkeit unserer Landschaft und dafür, dass wir mit diesem kostbaren Gut haushälterisch umgehen müssen. Die Chancen, dass die Weichen richtig gestellt werden, sind intakt.

 

 


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100%
(2 Stimmen)
Thomas Steffen sagte March 2012

Herr Brägger, ich habe die Debatte über die 2. Wohnungen nicht allzu sehr verfolgt. Betrifft mich persönlich auch nicht - ganz ehrlich.

Jedoch - würde man die Anzahl 2. Wohnung auf 20% begrenzen, dann würden doch die Preise für diese Prestigewohnung überproporzionell steigen. Die Nachfrage wird nach der Abstimmung nicht automatisch sinken - das wäre pure Utopie.

Jedoch mit dem Anstieg der Preise für die Prestigeobjekte (2. Wohnungen) würden auch die Preise für die anderen Wohnungen ansteigen - denn, wer will schon überprüfen, ob eine Wohung das ganze Jahre bewohnt wird oder nur ein paar Wochen im Jahr ?

Fazit: mit dieser Initiative wird der Immomarkt in der Schweiz weiter eingeheizt und Preise werden weiter steigen und damit auch die Mieten.

Lustig, dass man die Gemeinden bei der Hand nehmen und die Raumplanung zentralisieren will. Ich glaube Stalin und Mussolini haben es ähnlich gemacht.

An die Initianten stelle ich die Fragen: wo haben Sie das Problem erkannte (Gemeinde, Region, etc), welche Sie veranlasst eine solche Initiative zu starten ?


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