Lexikon: Aggregierte Angebotskurve

Die Aggregierte Angebotskurve ist ein Begriff aus der Makroökonomie und gibt an wie viele Güter bei einem bestimmten Preisniveau von sämtlichen Anbieter in einer Volkswirtschaft produziert werden. Das aggregierte Angebot entspricht dem Bruttoinlandprodukt.

Es wird unterschieden zwischen der kurzfristigen und der langfristigen aggregierten Angebotskurve.

Langfristige aggregierte Angebotskurve
Die langfristige aggregierte Angebotskurve verläuft ganz vertikal. D.h. auf längere Sicht hat das Preisniveau keinen Einfluss auf die gesamthaft produzierte Menge. Denn unabhängig davon wie hoch das Preisniveau ist, kann langfristig nicht mehr produziert werden als das unter Einsatz sämtlicher Arbeitskräfte und sämtlichen Kapitals (Maschinen, Boden etc.) bei gegebener Technologie und normaler Auslastung möglich ist. Diese Menge wird als natürlicher Output bezeichnet.
Durch Wirtschaftswachstum (bsp. durch bessere Technologie, mehr Kapital, mehr Arbeitsstunden oder bessere Bildung) oder durch ein Rückgang des BIP verschiebt sich die Kurve und damit der natürliche Output nach rechts bzw. bei einem Rückgang nach links.




Kurzfristige aggregierte Angebotskurve
Im Gegensatz dazu verläuft die kurzfristige aggregierte Angebotskurve steigend. D.h. kurzfristig gesehen hat das Preisniveau einen Einfluss auf die gesamthaft produzierte Menge an Sachgütern und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft. Diese Steigung lässt anhand von drei Überlegungen erklären.
  • Fehlannahmen der Unternehmen: Wenn die Unternehmen ihre Produktion planen, müssen sie dabei immer auch die Marktpreise bzw. das Preisniveau schätzen, bei dem sie ihre Produkte verkaufen. Die Produzenten haben also immer eine Erwartung für das Preisniveau. Diese Erwartung deckt sich aber nicht zwingend mit dem tatsächlichen Preisniveau, bei dem sie ihre Güter verkaufen, was die Steigung der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve ausmacht. Liegt z.B. das tatsächliche Preisniveau unter den Erwartungen der Produzenten, glauben diese fälschlicherweise, die relativen Preise ihrer Produkte wären gesunken und produzieren eine entsprechend kleinere Menge und der gesamte Output ist kleiner. Umgekehrt haben die Anbieter bei einem über ihren Erwartungen liegenden Preisniveau das Gefühl, die Preise für ihre Güter seien relativ gestiegen und produzieren entsprechend mehr.
  • feste Löhne: Eine andere Begründung für den steigenden Verlauf der Kurve basiert auf den Löhnen. Kurzfristig sind die Löhne für die Unternehmen relativ fix. Ein Produzent kann bzw. muss seinen Angestellten nicht von heute auf morgen einfach weniger oder mehr bezahlen (Arbeitsverträge etc.). Auch in diesem Fall wird der Produzent die nominalen Löhne anhand seiner Preisniveauerwartungen setzen. Liegt jetzt das tatsächliche Preisniveau unter den Erwartungen des Anbieters bezahlt er seinen Angestellten real zu hohe Löhne, hat deshalb zu hohe Lohnkosten und wird entsprechend weniger produzieren. Umgekehrt erhalten die Arbeitnehmer bei einem tatsächlichen Preisniveau, das über den Erwartungen der Produzenten liegt, real zu tiefe Löhne. Die Anbieter können ihre Güter so günstiger herstellen und produzieren entsprechend mehr.
  • feste Preise: Genau dieselben Überlegungen lassen bei den Preisen anstellen. Viele Unternehmen können die Preise ebenfalls nicht von heute auf morgen anpassen und müssen sie ebenfalls aufgrund von Preisniveauerwartungen festsetzen. Liegt das tatsächliche Preisniveau über dem erwarteten Preisniveau der Unternehmer, so verkaufen diese ihre Produkte real günstiger und können somit mehr absetzen und produzieren. Im umgekehrten Fall, wenn das tatsächliche Preisniveau unter dem erwarteten Preisniveau liegt, sind die Güter real zu teuer und es wird weniger verkauft bzw. produziert.

Diese Effekte haben in der langfristigen Sicht keine Bedeutung mehr, weil die Unternehmen langfristig ihre Preise sowie die Löhne frei anpassen können und nur echte relative Preisänderungen berücksichtigen.
Die kurzfristige aggregierte Angebotskurve kann sich aus denselben Gründen wie die langfristige nach links oder rechts verschieben.

 

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Artikel wurde am 29.12.2011 aktualisiert


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