Simon Goehler

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February 2012 Kommentar zu
Staatlich diktierte Preise? Buchpreisbindung nein danke!
Tut mir leid, aber wenn ich diesen Blogeintrag so lese kommt mir immer wieder ein Wort in den Sinn - "Fehlinformation".


Immer wieder wird von Abzocke und dergleichen gesprochen, nur verstehe ich das nicht so ganz. Seit die Buchpreisbindung vor 4 Jahren abgeschafft wurde, ist weder das Sortiment breiter noch besser geworden, auch günstiger wurde lange nicht alles, hauptsächlich nur die Bestseller. Keine Buchpreisbindung heisst nicht auch gleich alles billiger, irgendwie scheint dies gerne vergessen zu gehen, wenn das Wort "abzocke" benutzt wird. Unrealistisch zu glauben Buchhändler hätten das Geld um einfach mal das ganze Sortiment günstiger zu gestalten. Als ausgleich zu den, im Verhältnis, wenigen Bestsellern wird dann schlicht und einfach das teuer, was nicht von jedermann gelesen wird. Sach- und Fachbücher z.B. oder Literatur von Kleinverlagen und unbekannteren Autoren. Schwierig also von einer Abzocke mit der BPB zu reden, wenn man im Moment genau so, oder noch eher von Abzocke reden könnte. (Man beachte auch die Westschweiz, wo es schon länger keine Buchpreisbindung mehr gibt - da sind die Preise prozentual gestiegen. Oder Grossbritannien, wo genau das selbe passiert ist.)

Sieht man sich nur einmal die Zahlen des Schweizer Buchhandels der letzten Jahre an, wird man auch schnell bemerken, dass Aussagen wie:"Das wiederum kurbelte den Büchermarkt an. Die Angebote stiegen, die Anzahl Bestellungen und Leser ebenfalls." nicht ganz, aber ziemlich nah dran, am völligen Unsinn sind.

Wichtig scheint mir auch, dass man sich bewusst ist, im Buchhandel ist nicht das grosse Geld zu machen, unabhängig von einer Preisbindung. Abgesehen von den sehr wenigen Bestsellerautoren und Führungskräften in Grossverlagen und Buchhandelsketten,gib​t es keine Grossverdiener in dieser Branche. Auch wäre es falsch zu glauben, dass die aktuell gewährten Rabatte im Falle einer Wiedereinführung der BPB in den Taschen der Verlage und Buchhandelsketten landen. Mit diesem Geld wird die Vielfalt gefördert indem Quer-subventioniert wird. Etwas, was ohne BPB immer weniger der Fall sein wird, und somit das Angebot immer schmäler würde.

Aber nun gut, ich verstehe schon, dass man es in einer doch eher freien Marktwirtschaft nicht gerne sieht wenn irgend ein kleiner Wirtschaftszweig vor dieser geschützt wird. Auch finde ich Innovation und deren Förderung wichtig und verstehe die Sorge, dass sich der ein oder andere auf einer BPB ausruhen würde. Doch denke ich, ist Innovation genau so in einem Preisgeschützten Umfeld möglich, wenn nicht gar besser gefördert. Daher ist der Vorschlag der Musik gar nicht so falsch - hätte die Branche vielleicht gerettet. Die Buchbranche ist keine Branche in welcher ein einheitliches Produkt verkauft wird, vielmehr wird ein Kulturgut angeboten und als Gesellschaft welche auf eine weitreichende Kultur zurückblicken kann sollte wir auch auf unsere Momentane achten und sie nicht beschneiden, nur weil man gerne mal 30% sparen möchte - ohne dabei an den Künstler, Verleger und Händler zu denken welcher mehr in diesen Kulturbereich investiert als ein paar Stunden Arbeit. Dieses Denken hat auch der Kulturbranche Musik nicht all zu sehr geholfen.

Bestellen Sie also ruhigen Gewissens weiter in einem Nachbarland in welchem Erfolgreich die kommunistische Preisbindung geführt wird und Sparen Sie sich den Eurowechselkurs, der im Moment dank hervorragenden Wirtschaftlichen Verhältnissen der Schweizer Wirtschaft hilft, in dem er so günstig ist. Schwachsinn.
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